Teil eines Werkes 
4. Band, Napoleon in Aegypten : 3. Theil (1853)
Entstehung
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Geſchrei mit dem Geräuſch der Waffen und ſchleudern Steine und Feuerbrände auf die Stürmenden. Mit welch' verzweifelter Tapferkeit letztere auch wiederholt vordringen, eben ſo oft werden ſie zurückgeworfen. Der Erfolg bleibt eine lange Zeit unentſchieden.

Plötzlich erhebt ſich unerwarteter Tumult und Ge⸗ wehrfeuer im Rücken der Muſelmänner. Von einer entgegengeſetzten Seite iſt es einer zweiten franzöſi⸗ ſchen Diviſion gelungen, in die Stadt zu dringen. Tod und Verderben verbreitend, ergießt ſie ſich in die Straßen. Die Verzweiflung verleiht den Belagerten neue Kräfte. Ein noch furchtbarerer Kampf erhebt ſich. Jedes Haus wird zur Feſtung und muß erobert werden. Ein Theil der Stürmenden klettert von Dach zu Dach, andere Colonnen bemächtigen ſich einer Straße nach der andern. Ein Hagel von Kugeln, Steinen und Gemäuer ſtürzt von den Dächern auf die Kämpfen⸗ den hernieder.

Wiederholt wird die auf allen Punkten zurückge⸗ drängte Garniſon zur Uebergabe aufgefordert. Der von Chriſtenhaß entflammte Fanatismus der Muſel⸗ männer mag von keinem Pardon wiſſen. Der Kampf wüthet fort. Da geht endlich der Zorn des franzö⸗ ſiſchen Kriegers in Raſerei über. Die letzte Schonung entflieht der Bruſt. Es entſteht ein Morden, wie ſolches die Geſchichte zur Ehre der Menſchheit nur ſel⸗ ten aufzuweiſen hat. Vergebens entſendet Bonaparte ſeinen Stiefſohn Eugen und andere Officiere, um dem Blutbade Einhalt zu thun. Aber kein Bittwort, kein Commandoruf vermag die entfeſſelte Soldateska von ihrer Blutarbeit zurückzuhalten. Alles, was von ei⸗ nem Weibe geboren, fällt unter franzöſiſchen Säbeln, Kolben und Bayonetten. Weder Alter noch Geſchlecht hat Anrecht auf Schonung. Ein Schlachten iſt's im ſchaudererregendſten Sinne des Wortes.