19
„Noch wenige Stunden,“ ruft er,„und wir ſind in dem gelobten Lande, wo Euch Erquickungen aller Art erwarten. Aber ſelbſt wenn die Beſchwerden der Wüſte noch länger gedauert hätten, ſo war dies noch kein Grund, den Muth zu verlieren. Soldaten müſſen lernen mit Ehre ſterben!“
Zu andern Bataillonen ſpricht er:
„Die Wüſte zu bezwingen, gilt einer Schlacht gleich. Ein ſolcher Sieg fehlte zeither Eurer Ge⸗ ſchichte, Ihr Veteranen von Lodi. Was Euch quält, iſt auch meine Qual. Ich leide Durſt wie Ihr.“
Den nächſten Tag langen auch die übrigen Di— viſionen unter Lannes und Bon an. Hierauf über⸗ ſchreitet die vereinigte Armee die Grenzen Syriens. Abdallah⸗Paſcha hat ſich nach Gaza zurückgezogen.
Nach einem achtzig Stunden langen Wüſtenmarſche gehen vor den entzückten Augen der franzöſiſchen Krie⸗ ger die blühenden Landſchaften Paläſtina's auf. Es iſt, als erwarte hier ein gaſtlich Volk, unter grünen Zelten wohnend, Gäſte. Gleichwohl naht der Soldat nur mit bangendem Herzen dem ſchönen Lande. So oft durch das Geſpenſt der Wüſte getäuſcht, fürch⸗ tet er jeden Augenblick, daß der Abendwind das Zau⸗ berbild entführen werde. Doch bald unfaſſen die zuerſt angelangten Krieger liebebrünſtig die Palmen⸗ bäume. Sie ſchütteln den Gluthſtaub des Kamſin von ihren Füßen und marſchiren mit einer Fröhlichkeit vorwärts, als beträten ſie das Vaterland.
Nach einem leichten Scharmützel fällt das im Al⸗ terthume ſo berühmte Gaza, das nur noch aus drei Dörfern beſteht, dreitauſend Bewohner zählt und inmitten von Olivenwäldern gelegen iſt, den Franzoſen in die Hände. Abdallah⸗Paſcha zieht ſich mit ſeinen
2*


