Teil eines Werkes 
4. Band, Napoleon in Aegypten : 3. Theil (1853)
Entstehung
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durch die Straßen getragen. Die Franzoſen gebrau⸗ chen Repreſſalien und thun ein Gleiches. Kein Par⸗ don wird gegeben und genommen. Es iſt ein Ver⸗ nichtungskampf zweier Elemente, die ſich den Tod ge⸗ ſchworen.

Ein von Salahieh kommender Convoi mit Kran⸗ ken und Verwundeten wird, ſo wie er am Thore von Cairo anlangt, überfallen und, nachdem die ſchwache Eskorte übermannt und zerſtreut, grauſam ermordet.

Der Mordkampf währt, ſo lange die Sonne ſcheint, mit ausdauernder Heftigkeit. Als aber die Schatten des Abends ſich über die Straßen Cairo's legen, ſcheint eine Art Waffenſtillſtand zwiſchen den Kämpfenden einzutreten. Die Urſache von Seiten der Rebellen iſt der Umſtand, daß die Morgenländer die Nacht fürch⸗ ten und nie gern im Dunkeln ſtreiten. Den ermat⸗ teten Franzoſen kam dieſer Volksgebrauch ſehr zu Stat⸗ ten. Man befeſtigt das gewonnene Terrain und bi⸗ vouaquirt auf den mit Blut und Leichen bedeckten Straßen.

Während der Nacht durchreitet Bonaparte, nur von einem ſeiner Adjutanten begleitet, die von den fran⸗ zöſiſchen Truppen beſetzten Straßen und freien Plätze. Den Mittelpunkt der Empörung, die in gewaltigen Maſſen zum Nachthimmel ſtrebende El⸗Heazar⸗Moſchee, recognoſeirt er von mehreren Seiten. Erſt nach Rit⸗ ternacht kehrt er nach dem Hauptquartier zurück.

Schweigend geht er hier eine geraume Zeit, die Hände auf dem Rücken, auf und nieder. Im Hinter⸗ grunde ſtehen, Befehle erwartend, mehrere Generale.

Es iſt ein großer, entſcheidender Augenblick. Das Schickſal der ganzen Expedition, das Sein oder Nicht⸗ ſein des franzöſiſchen Heeres ſteht auf dem Spiele. Der ſcharfe Geiſt Bonaparte's verkennt den Abgrund