Teil eines Werkes 
3. Band, Napoleon in Aegypten : 2. Theil (1855)
Entstehung
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Der Profeſſor ſchauderte.

Aber bedenke, erlauchter Abdullah, da werde ich zum Tiger, und mein künftig Daſein gereicht meinen Mitmenſchen zum Entſetzen. Man wird meine Nähe flichen, als wäre ich ein Peſtkranker.

Abdullah zuckte die Achſeln.

So dürfte Dir wahrſcheinlich eine ſanfte Erdroſ⸗ ſelung lieber ſein. Du haſt die Wahl.

Ich hab' Dir geſagt, daß ich mir eine Erdroſſe⸗ lung einmal ſchlechterdings nicht ſanft vorſtellen kann.

Es käme auf einen Verſuch an.

Nein, laſſen wir einen ſolchen. Strenge, er⸗ lauchter Abdullah, Deine geiſtigen Organe nochmals an und erdenke mir eine mildere Strafe, wenn ich einmal nicht ganz heiler Haut davon kommen ſoll.

Der Türke dachte von Neuem nach. Nach einer geraumen Zeit, während welcher die Blicke des Pro⸗ feſſors ihm aufmerkſam folgten, wendet ſich Abdullah wieder zu Laroſſoſſinier.

Meine Gnade für Dich überſteigt alle Grenzen; der Prophet möge mir vergeben, wie zärtlich ich mit einem Ungläubigen verfahre. Du ſollſt mit der ge⸗ lindeſten Strafe davon kommen, die das Serail kennt.

Erlauchter Abdullah, worin beſteht dieſelbe?

Man wird Dir mit einem ſcharfen Inſtrumente Ohrlöcher ſtechen und in die Oeffnungen Schellen be⸗ feſtigen. Das, wie geſagt, iſt die gelindeſte Strafe. Widerſtrebe ihr nicht mit thörichtem Eigenſinn, ſonſt könnte meine gewohnte Heftigkeit ſiegen, und Du wä⸗ reſt verloren. Empfange im Gegentheil mit Dank die hohe Gnade, die Dir zu Theil worden.

Wit dieſen Worten winkte Abdullah einigen Secla⸗ ven, welche mit einer Art Schuhmacherahle herbeieil⸗ ten, die beiden Ohrläppchen des Profeſſors kunſtgerecht