163
mehr Gefallen fand. Sie ſchaute mit halb geſchloſſe⸗ nen Augen träumeriſch den wilden Verſchlingungen und phantaſtiſchen Stellungen zu und ſchien den Sinn des ſüdlich⸗glühenden Tanzes wohl zu verſtehen.
Der Kapidſchibaſchi, ſo wie ſeine ſchwarzen Collegen, befanden ſich trotz der Anweſenheit der ſchönen Alme's in miſerabler Stimmung. Ihr Verſtand ſtand ihnen ſämmtlich ſtill; denn daß der Profeſſor, den ſie we⸗ gen ſeiner höchſt originellen Widerſpenſtigkeit und wegen ſeiner verzweiflungsvollen Capriolen gar zu gern die Haut abgezogen und geröſtet hätten, ſo ur⸗ plötzlich die Gunſt der geſtrengen Sultana erworben, überſtieg ihr Begriffsvermögen.
Die Alme's, die in ihren dünnen Gewändern auf den Divans umher in maleriſchen Stellungen gruppirt ruhten, erholten ſich nach und nach und erhielten Lebendigkeit. Sultana ließ Erfriſchungen an ſie ver⸗ abreichen und Laroſſoſſinier benutzte dieſe Zeit, um Näheres über dieſe oder jene arabiſchen Dichtungen einzuziehen.
Bei dieſer Unterhaltung fühlte ſich jedoch der Pro⸗ feſſor von der Ignoranz der ſchönen Märchenerzähle⸗ rinnen ſehr unangenehm berührt. Er erkundigte ſich bei ihnen nach dieſem und jenem in der Gelehrten⸗ Welt hochgeachteten arabiſchen Dichter. Die Mädchen aber blickten mit ihren Gazellenaugen verwundert zu dem abendländiſchen Eraminator auf. Von allen die⸗ ſen von Laroſſoſſinier hochgerühmten Sängern wußten ſie kein Wort.
„Aber, meine Damen,“ ſprach der Profeſſor, der ſich vorkam, als habe er Pariſer Studenten vor ſich, ziemlich ungehalten,„Sie haben da ſo ſchöne Dich⸗ tungen vorgetragen und wiſſen von den Verfaſſern nichts; das iſt kaum zu entſchuldigen. Sind Ihnen


