160
ihr uber die frühern Lebensverhältniſſe Camille's er⸗ zählen, ob er die Mädchen liebe, ob ſein Herz noch frei ſei und über ähnliche erotiſche Angelegenheiten.
Der Profeſſor wußte auf Alles die erwünſchteſte Auskunft. Er log das Blaue vom Himmel und ver⸗ hieß, ſobald er nach Hauſe gekommen, ſeinem Freunde die Schönheit und Liebenswürdigkeit der Sultana in das preiswürdigſte Licht zu ſtellen.
Die Türkin hörte dies nicht ungern. Sie glaubte ſich dafür dankbar bezeigen und dem Profeſſor einige Ergötzlichkeiten bereiten zu müſſen. Sie befahl daher, daß ihm Confitüren und Früchte auf ſilbernen Schalen dargereicht würden.
Laroſſoſſinier ließ ſich das wohlbehagen. Rach dem ſtrapazirenden Bade und den verſchiedenen Todesäng⸗ ſten hatte ſich ein fühlbarer Appetit eingeſtellt. Der Profeſſor aß mit Leib und le und theilte dabei der zuhörenden Sultana ma intereſſante Anekdote aus dem Leben Camille Renouard's mit, die er ſich vorher ausſann. Er ſchlug ſelbſt die Pfeife nicht aus, die ihm ein Selave knieend präſentirte, und ließ, als wäre er zu Hauſe, die blauen Wolken des köſtlichen Kanaſters mit vieler Kunſt in die Lüfte ſteigen.
Rachdem er geſättigt, frug ihn Sultana, ob ihm nicht eine Vorſtellung der Alme's gefällig ſei.
„Du ſprichſt außerordentlich weiſe und ganz aus meiner Seele,“ erwiederte der Profeſſor,„ſchon lange ſehnt' ich mich nach einer beſſern Art Alme's, als man ſie auf den öffentlichen Plätzen von Cairo findet. Ge⸗ gen dieſe unſittlichen Geſchöpfe ſind die Bajaderen Indiens Muſter der Schamhaftigkeit. Die Alme's, namentlich ſolche, die in Harems gerufen werden, ſol⸗ len das Arabiſche mit ſeltener Reinheit ſprechen.“
Sultana gab einen Wink, welcher den langgeheg⸗


