Teil eines Werkes 
3. Band, Napoleon in Aegypten : 2. Theil (1855)
Entstehung
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Obſchon ſeine Verwundung kaum der Rede werth war, glaubte er ſich ſchon halb auseinander geſchnitten und ächzte und lamentirte über alle Maßen. Ein Knebel machte ſeinem Wehklagen ein Ende. Dieſer Zuſtand war ihm noch entſetzlicher, er war haarſträubend.

Indeß wenn die Noth am größten, iſt die Hülfe am nächſten. Während der Profeſſor in der ohnmäch⸗ tigſten Lage der Welt, mit geknebeltem Munde, dalag und gänzlich in die Gewalt ſeiner blutdürſtigen und ſchindluſtigen Feinde gegeben war, in dieſem deſpera⸗ teſten aller Zuſtände, kam ihm plötzlich ein Gedanke wieder in den Sinn.

Wie wär's, dachte er,wenn Du Dich blos für einen Abgeſandten, für einen Chargé dAffaires des Herrn Renouard, für den doch der Selam eigent⸗ lich beſtimmt war, ausgäbeſt? Er kann ja krank ge⸗ worden oder ſonſt abgehalten worden ſein und Du haſt ihn entſchuldigen ſollen. Da Renouard allem An⸗ ſcheine nach bei der Frau Sultana in hohen Gnaden ſteht, ſo werden von dieſer wohlthätigen Gnadenwolke auch wohl für ſeinen expreſſen Boten einige Tropfen abfallen. Wenigſtens wird man ſich nicht an deſſen Leben vergreifen.

Was hilft mir aber jetzt dieſe rettende Idee bei dem verfluchten Knebel im Halſe? Daß ich mich nicht eher darauf beſann, als mir noch Redefreiheit geſtattet war. O, welch' ein erhabenes Geſchenk, ihr Götter! iſt doch die Sprache, das Organ der mündlichen Mit⸗ theilung, deſſen Rützlichkeit und Vortrefflichkeit mir in keinem Augenblicke ſo einleuchtend erſchien, als gerade in dem gegenwärtigen.

Um die Sprache einigermaßen zu erſetzen und ſich in Etwas verſtändlich zu machen, begann der Profeſſor auf höchſt ausdrucksvolle Weiſe zu brummen. Er