Teil eines Werkes 
3. Band, Napoleon in Aegypten : 2. Theil (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

154

Der unglückliche am Boden Liegende verſchwendete alle Liebkoſungen und Schmeichelworte, die ihm im Arabiſchen zu Gebote ſtanden, um den Schwarzen be⸗ greiflich zu machen, wie ſo ſehr es gegen alles Völ⸗ kerrecht verſtoße, wenn man an ihn, einem Mitgliede eines ſo ehrwürdigen Inſtituts, wie das der franzö⸗ ſiſchen Akademie ſei, Hand anlege.

Die Mohren nahmen nicht die geringſte Notiz von den mannichfachen Reclamationen des Mitglieds der franzöſiſchen Akademie. Sie wetzten mit vieler Be⸗ haglichkeit ihre Meſſer und brachten außerdem die er⸗ forderlichen Präparate in Ordnung. In ihren Ge⸗ ſichtszügen nahm man nicht die geringſte Miene des Ritleidens wahr; im Gegentheil ſchien ihnen die be⸗ vorſtehende Operation viel Vergnügen zu machen.

Nachdem man mit allen Vorbereitungen zu Ende, faßte der eine Mohr den verzweifelnd hin und wieder wackelnden Profeſſor am Kopfe, der andere am rech⸗ ten Fuße, und mit einem Tempo that jeder einen Hauteinſchnitt.

Ein Zetermordio des Profeſſors, dem man bis jetzt den Mund noch nicht geknebelt hatte, folgte der Ver⸗ letzung, obſchon nur die Haut geritzt war. Der Ka⸗ pidſchibaſchi ward bei dieſem Geſchrei aufmerkſam, und ein Gedanke ſchien ihm durch den Kopf zu gehen.

Vielleicht, ſprach er zu ſich,iſt es Sultana angenehm, der Erecution ſelbſt beizuwohnen und ſich daran zu weiden. Ich werde daher mit der Haupt⸗ abſtreifung des Giaurs Anſtand nehmen, bis Ihro Ho⸗ heit aus ihrem Schlummer erwacht iſt.

Er gebot daher den Schwarzen, vor der Hand nicht weiter zu ſchneiden, ſondern zu warten, bis er Vefehl zur Fortſetzung erhalten haben würde.

Die Lage des armen Laroſſoſſinier war entſetzlich.