Teil eines Werkes 
3. Band, Napoleon in Aegypten : 2. Theil (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

33

Marmor. Einſam ſpielte der Wind in den Gipfeln der hohen Pinien und Cypreſſen, welche die Todten⸗ ſtadt beſchatten.

Das üppige Gras unter einer hohen Shkomore, welche ein uraltes mit Hieroglyphen bedecktes Denk⸗ mal in ihre ſchweigenden Se u bot ein ſo verlockendes Ruheplätzchen dar, daß Camille der Luſt nicht widerſtehen konnte, hier abzuſteigen und ein we⸗ nig auszuruhen. Dieſe Kühle und Stille hatte etwas ungemein wohlthuendes nach langem Ritt durch men⸗ ſchenbelebte Gegenden.

Camille ſtreckte ſich mit wahrhaft vorientaliſcher Behaglichkeit in das weiche, duftende Gras, während Nurmahal ihm auf einem zierlichen Tellerchen mit der einen Hand Orangen präſentirte, mit der andern aber einen kleinen Krhſtallbecher voll des köſtlichſten Rhein⸗ weins kredenzte, welche Genüſſe der beſorgte Diener in dem Flaſchenfutterale ſeines Maulthieres mit ſich geführt hatte.

5 Ich habe fürwahr alle Anlage, ein Türke zu werden,“ ſcherzte Camille, indem er voller Wohlbeha⸗ gen die holdſeligen Perlen des Rheingaues über die Zunge gleiten ließ;„es muß an dem Himmel liegen, aber man wird hier zu Lande träge und liebt die Ruhe.“

„Als Türke müßtet Ihr vor allen Dingen auf den Wein verzichten,“ erwiederte lächelnd Nurmahal; „auch dürfte“, fügte er etwas leiſer hinzu, gegen das Türkenthum Fräulein von Montreuil mancherlei Bedenken haben.“

„Sie lebe hoch!“ rief Renouard, in Rückerinne⸗ rung verſunken, während Nurmahal den Becher von Neuem füllte;„wenn wir zur ſchönen Provence zu⸗ rücktehren, ſollſt Du ſie kennen lernen, die Herrliche,

Stolle, ſämmtl. Werke. II.