10 —
Drittes Rapitel.
—
In der ſchönen, von Sykomoren und Akazien einge⸗ faßten Allee, welche von der Vorſtadt Bulak nach dem eine Stunde entfernten, reizend gelegenen Luſtorte Schubra führte, ritt, vom treuen Rurmahal begleitet, Camille Renouard, um dem Obergeneral, der ſich in genanntem Orte aufhielt, ſeine Aufwartung zu machen.
Der Morgen war ſchön und erquickend; aus den zahlreichen benachbarten Gärten wehte Blumenduft.
Die Landſchaft glich einem Paradieſe, einem wahr⸗ haften Garten Gottes, ſo reich und üppig prangte die Pflanzenwelt. Wo der Blick hinfiel, ſchauten dünne Minarets aus Orangenwäldchen oder ruhten tauſend⸗ jährige Ruinen im ernſten Schweigen, von Blumen und Blättergrün fröhlich überzogen.
Die Mutter der Welt mit ihren zahlreichen Kup⸗ peln und Thürmen verſchwand hinter Palmenwäldern, und nur die großartigen Steinmaſſen der Haſſan⸗ MWoſchee und das hinter Cairo emporſtrebende Makkatam⸗ gebirge ragten über die grünen Wipfel hervor.
Die beiden Reiter, in den Anblick der wunder⸗ ſchönen Gegend verſunken, ritten lange ſtumm neben einander her. Endlich brach Camille das Schweigen.
„Von unſeren Freunden und Reiſegefährten auf der Rilfahrt“, frug er,„iſt Dir alſo keiner wieder zu Geſicht gekommen?“
„All' mein Nachforſchen“, erwiederte Nurmahal, „blieb bis jetzt vergeblich; der Wahrſcheinlichkeit nach ſind ſie umgekommen.“
„So wären wir von der ganzen Geſellſchaft die Einzigen, die ſich gerettet hätten?“ fuhr Camille fort.


