Teil eines Werkes 
3. Band, Napoleon in Aegypten : 2. Theil (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

14

ſo belebend, daß er ſich halben Leibes emporrichtete und wie aus einem Traume erwachend umherſchaute. Dann zog er einen Ring vom Finger.

Nimm ihn als Dank für den Labetrunk, ſprach er, den Goldreif ſeinem Retter überreichend,und be⸗ wahre ihn zum Andenken an die Wanderung in der Wüſte.

Nurmahal empfing freudezitternd das mit ſeinem Blute theuer erkaufte Geſchenk.

Dieſer Ring ſoll mich nie wieder verlaſſen, ſprach er, indem er ihn an den Goldfinger der klei⸗ nen Hand ſteckte.

Die Wanderer verſuchten jetzt, von der Hoffnung auf baldige Rettung geſtärkt, trotz des glühenden Sonnenbrandes, ihren Weg durch die Wüſte fortzu⸗ ſetzen. Aber ſie waren noch nicht weit gekommen, als

ſie abermals ermattet dahinſanken. Man mußte noch⸗

mals die Schatten der Nacht erwarten, ehe man wei⸗ ter zu wandern vermochte.

Diesmal würden ſowohl Camille als Rurmahal dem furchtbaren Klima erlegen ſein, wenn nicht die Palmen am Horizonte und das von Zeit zu Zeit da⸗ her tönende Rauſchen des Nils ihre letzten Kräfte wunderbar geſtärkt hätten.

Mit Sonnenuntergange erſt war es möglich, dem gelobten Lande zuzupilgern. Aber die letzte Strecke der Wüſte ward zur längſten. Man kam nur äußerſt langſam vorwärts. Bei aller Anſtrengung bedurfte man die ganze Nacht, um das Ende der Wüſte zu erreichen. Dafuͤr war der folgende Morgen um ſo belohnender.

Nicht mehr vom Wüſtennebel und Wüſtenſtaub umſchleiert, ſondern rein, klar, goldleuchtend ſtieg die Sonne, nach einer prächtigen Morgenröthe, hinter