Teil eines Werkes 
3. Band, Napoleon in Aegypten : 2. Theil (1855)
Entstehung
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Leichen. Noch einmal erhob ſich Nurmahal und ſchwankte durch die Wüſte; aber wohin auch der ſehn⸗ ſuchtsvolle Blick ſchweifte, nirgends ein Brunnen, eine Hoffnung, eine Erlöſung.

Die Füße verbrannt vom glühenden Sande, fiel endlich der Knabe auf die Knie und faltete die Hände.

Dein Wille geſchehe, mein Vater im Himmel, betete er ergebungsvoll.Du willſt es nicht mehr, daß wir ferner auf Deiner Erde wandeln; wir ſollen bei Dir leben. Empfange unſern Geiſt in Deinen himmliſchen Wohnungen; ich bin bereit, mit meinem Freunde zu ſterben.

Noch eine geraume Zeit lag der fromme Nurma⸗ hal knieend auf dem Sande und bewegte die Lippen im heißen Gebet.

Aber während er betete und ſich Gott immer in⸗ niger hingab und die Himmel des Gebets immer be⸗ ſeligender herabſanken tönte plötzlich ein fernes, wunderbares Rauſchen, das, wie von einem leiſen Hauche getragen, bald leiſer, bald vernehmbarer an ſein Ohr ſchlug.

Nurmahal lauſchte eine Zeit lang, wie im Traume, des ſeltſamen Tones. Er konnte ſich lange nicht über⸗ zeugen, ob das ſeltſame Geräuſch wirklich aus der Ferne komme oder ob es ſich blos in ſeinem Ohre bilde. Endlich ſprang er, von einem Hoffnungsſtrahl belebt, auf und eilte, ſo ſchnell ihn ſeine Füße zu tragen vermochten, gegen Morgen, wo er ſich nach einiger Zeit von Neuem zur Erde warf, das lauſchende Ohr auf den Sand gedrückt. Da rauſchte es immer deutlicher, wie ein großer, gewaltiger Strom, der ſich befruchtend durch hohe Ufer drängt. Der Gedanke, daß es der erſehnte Nil ſein könnte, trieb Freuden⸗ thränen in ſeine Augen, und wie mit magiſcher Ge⸗ walt gezogen eilte er immer weiter gen Morgen.