Teil eines Werkes 
3. Band, Napoleon in Aegypten : 2. Theil (1855)
Entstehung
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Erſt nachdem die Sonne ſich dem Untergange zu⸗ neigte, gedachte Nurmahal der Weiterreiſe und ver⸗ tröſtete auf die kühlen Stunden der Nacht. Aber Renouard ſchien jedem Troſte erſtorben. Er verharrte in ſeiner dumpfen Gefühlloſigkeit, ſo daß Nurmahal von Schrecken befallen ward, der Tod könne ſich des geliebten Freundes bemächtigen. Vergebens bemühte ſich der Knabe, den Halbträumenden zum Reden zu bringen; Camille gab nur wenige unverſtändliche Worte von ſich und verſank ſogleich wieder in den frühern lethargiſchen Zuſtand. In dieſem höchſten Drangſal langte Nurmahal die letzte Orange hervor, die er für dieſe äußerſte Noth aufgeſpart hatte, und reichte ſie dem Freunde zur Erquickung. Wirklich verfehlte die⸗ ſes Labſal auch ſeine wohlthätige Wirkung nicht. Der Halbohnmächtige erwachte zu neuem Bewußtſein.

Unterdeß war die Sonne geſunken, und die dritte Nacht ſank auf den Wüſtenſand hernieder. Abermals leuchtete am Nordhimmel der wegweiſende Polarſtern, und am gegenüberliegenden Horizonte ſtieg das einſame Kreuz des Südens empor. Die Gummiflaſche war auf den letzten Tropfen geleert; wenn ſich daher mor⸗ gen das Rilthal nicht zeigte, ſo war dieſe Nacht die letzte der Wanderer; denn Nurmahal's Entſchluß ſtand feſt, den Tod des innig geliebten Freundes nicht zu überleben.

Noch einmal erhob ſich nach eingetretener Dunkel⸗ heit der getreue Knabe, und durchkreuzte, von glühen⸗ dem Durſte gepeinigt, die Umgebung des Lagers, ei⸗ nen rettenden Brunnen ausfindig zu machen; es war alles Suchen vergeblich, nirgends einer zu entdecken. Zum Tode ermattet kehrte Nurmahal zu Camille zu⸗ rück. Er warf ſich verzweifelnd zu Boden. Kaum aber hatte er eine Stunde geruht, als ihn die Liebe für den Freund abermals auf die Füße brachte.