Teil eines Werkes 
3. Band, Napoleon in Aegypten : 2. Theil (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

8

erſchaffen; und der euch lenkt in unermeſſenen Bahnen, wird auch mir, ſeinem armen Kinde, die Vaterhand nicht entziehen.

Doch wie weit ſich auch Nurmahal in die dunkle Wüſte wagte, ſo war ſein Suchen nach einer Quelle vergebens. Ermüdet und troſtlos kehrte er zu Camille zurück, neben welchen er niederſank und ſogleich ent⸗ ſchlief.

Wie erſchöpft aber der Knabe auch war, ſo ge⸗ hörte ſein Schlaf und Traum doch nicht zu den er⸗ quickenden. Plötzlich fuhr er von einem wüſten Traum⸗ bild erſchreckt empor. Dichte Finſterniß umgab ihn; die Sterne hatten ſich trüb' umzogen und ſchimmerten fern und bleich durch den Nebel. Camille ſchlum⸗ merte ruhig zur Seite. Da ward die lautloſe Stille mit einem Male von einem Ton unterbrochen, der geeignet war, das Blut ſelbſt in den Adern des Be⸗ herzteſten zu erſtarren. Es war das Gebrüll eines Löwen, das ſich in weiter Ferne vernehmen ließ. Gleich dem Donner des Himmels rollte die Stimme des Wü⸗ ſtenkönigs in grauſenhafter Majeſtät meilenweit durch die Lüfte. Kaum aber war ſie erklungen, als es bald hier und da lebendig wurde. Alle ſchwächeren Thiere, fern und nah, wurden durch den Ruf ihres Königs aus dem Schlafe geſchreckt und eilten flüchtigen Fußes nach entfernten Gegenden. Man vernahm das Traben der Giraffen, Gazellen, Schakals und aller andern Be⸗ wohner der Wüſte..

Dieſes Traben der fliehenden Thiere, die man wegen der Dunkelheit nicht ſieht, bringt einen unheim⸗ lichen Eindruck hervor. Es hat etwas Geiſterhaftes, und ſelbſt der Beherzteſte kann ſich eines Schauers nicht erwehren. Nurmahal dankte Gott, als das Ge⸗ brüll des Löwen, der ſeine Richtung nach der Tiefe

2