Teil eines Werkes 
3. Band, Napoleon in Aegypten : 2. Theil (1855)
Entstehung
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Was iſt Dir? frug Camille und hob mühſam ſein Haupt empor.

Mir war, antwortete Nurmahal,als vernähme ich in der Ferne das Brüllen eines Löwen.

Du täuſcheſt Dich, tröſtete Renouard,es war die Nachtluft, die oft in ſeltſamen Tönen über die Flächen der Wüſte ſtreift.

Es iſt möglich, antwortete der Knabe gefaßter; doch verſuche jetzt, etwas zu ſchlummern, theurer Herr, es wird Dich wunderbar ſtärken zur fernern Wanderung; auch ich will mein ermüdet Haupt ein wenig zur Ruhe legen.

Thue das, mein Nurmahal, ſprach Camille, in⸗ dem er dem Knaben nochmals die Hand reichte,auf ein frohes Erwachen.

Er ſtreckte ſich mit dieſen Worten auf den Wüſten⸗ ſand, der während der Dunkelheit etwas kühler ge⸗ worden, und entſchlummerte mit dem aufrichtigen Wunſche, daß dieſer Schlaf in einen ſanften Tod übergehen möge.

Auch Nurmahal drückte ſein glühendes Antlitz in den Sand und gab ſich den Anſchein, als ſchlafe er; doch kaum vernahm ſein lauſchend Ohr die leiſen Athemzüge des Schlummernden, als ſich die Geſtalt des Knaben wieder emporrichtete und ſeine Blicke lange auf Renouard ruhten.

So iſt Seraphine wirklich vergeſſen? lispelten ſeine Lippen,das Häuschen zu Auteuil, der alte Lindenbaum, Mutter Peril ganz vergeſſen? Weder im Fiebertraume, obwohl ich die alten Lieder ſpielte, noch ſonſtwo hat er ihrer erwähnt.

Ein gewaltiger Schmerz ſchien die Bruſt Nurma⸗ hal's zu durchzucken; wiederholt preßte er, wie einſt im Krankenzimmer zu Alexandrien, als Camille's Munde