188
Die beiden Capitains entfernten ſich; Nelſon trat wieder an das Fenſter. Mit wie gutem Winde die Brigg auch daherkam, ſo währte es dem Ungeduldigen doch zu lange; er eilte auf das Verdeck und wieder⸗ holte ſeine Befehle.
Bereits nach Verlauf von anderthalb Stunden ſtand der Commandant des Theſeus dem Admirale gegen⸗ über. Seine Rapporte waren indeſſen keineswegs der Art, daß ſie den Erwartungen des Admirals entſpro⸗ chen hätten. In den weiten Gewäſſern der Levante war nirgends eine Spur von der franzöſiſchen Flotte gefunden worden. Alle Depeſchen aus den verſchiede⸗ nen Stationsorten, welche die Brigg beſucht, ſtimm⸗ ten darin überein. Selbſt in Candia, auf deſſen Höhe man die Franzoſen eine kurze Zeit geſehen hatte, wußte man nicht, wohin ſie ihren Weg genommen.
Finſter umzog ſich die Stirn des britiſchen Ad⸗ mirals. Ein Bericht nach dem andern flog zuſammen⸗ geballt auf den Boden. Schon war er im Begriff, den Capitain nicht eben im freundlichen Tone zu ent⸗ laſſen, als dieſer ein Schreiben aus dem Buſen zog.
„Dieſer Brief,“ ſprach Moriarty,„ward mir auf Candia von unbekannter Hand mit der dringenden Bitte zugeſtellt, ihn Euch nicht anders als perſönlich zu überreichen.“
„Ha,“ rief Nelſon, als er einen Blick auf die Adreſſe geworfen und riß das Siegel auf. Aber kaum hatte er einige Zeilen geleſen, als er immer heftiger bewegt wurde und Hoffnungsſtrahlen ſein Antlitz er⸗ heiterten. Mit ſeltener Heftigkeit zog er die Klingel; zwei wachhabende Officiere erſchienen.
„Binnen vierundzwanzig Stunden ſticht die Flotte in See!“ rief er mit erhobener Stimme, worauf er ſich nochmals an die Lectüre des wichtigen Schreibens machte. Dieſes lautete folgendermaßen:


