Teil eines Werkes 
2. Band, Napoleon in Aegypten : historisch romantisches Gemälde : 1. Theil (1853)
Entstehung
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jährigen Denkmäler eines untergegangenen Weltreichs waren, hatte die Bauchaufſchneiderei total vergeſſen. Seine Gelehrſamkeit fand an den Pyramiden einen weit würdigern Gegenſtand, ſich weitläufig zu expee⸗ toriren, als an jener neumodiſchen Sitte.

„Ich begreife nicht,“ ſprach er,„wie man jemals zweifeln konnte, daß die Pyramiden Grabdenkmale waren. Sie ſtehen mitten in dem ungeheuren Fried⸗ hofe von Memphis. Der ganze öſtliche Abfall des ly⸗ biſchen Gebirgs iſt eine Todtenſtätte. Ueberall trifft

man auf Gräber und Katakomben. Die Gipfel, die Abfälle dieſer Hügelkette, deuten, trotz dem Schleier,

den die Wüſte darüber gelegt hat, auf eine regelnde Menſchenhand.“.

Der Profeſſor erging ſich noch eines Langen und Breiten über Lage, Zweck und Alter der Pyramiden. Er kannte aus bloßem Studium alle Localitäten dieſer bewundernswürdigen Denkmale ſo genau, als ſei er in ihnen aufgewachſen.

„Aber beſter Profeſſor,“ frug Vial in ſeiner Un⸗ ſchuld,„da Ihr ſchon Alles ſo genau wißt, ſo begreife ich nicht, warum Ihr nicht lieber in Frankreich geblie⸗ ben ſeid. Mich ſollte an Eurer Statt keine Macht der

Erde nach dem heißen Aegypten treiben, wenn ich da⸗

ſelbſt ſo zu Hauſe wäre.“

Laroſſoſſinier wollte dem Grenadier ob ſeiner höchſt unverſtändigen Frage eben einen tüchtigen Verweis ertheilen, als ein gellender Pfiff vom Ufer die Worte auf ſeiner Lippe erſterben machte. In demſelben Au⸗ genblicke, wo das durchdringende Signal von dem Lvotſen und den Fährleuten vernommen ward, ſpran⸗ gen ſie, wie auf Commandoruf über Bord und ver⸗ ſchwanden im Nile. Zu gleicher Zeit drang durch mehrere Oeffnungen im Bauche der Barke Waſſer.