ſieht man noch Frauen, Krüge von antiker Form auf Kopf und Schulter tragend, nach dem Nile wandern und Waſſer ſchöpfen. Dieſe weiblichen Geſtalten ge⸗ währen einen wahrhaft maleriſchen Anblick und alle Reiſende wiſſen davon zu erzählen. Ihre Kleidung iſt geſchmackvoll, die Bewegung leicht und voll Anmuth.
Immer näher drängt zur Rechten die Wüſte; im⸗ mer ſteiler, ſtiller und unheimlicher wird die Gegend. Endlich, bei dem Dorfe Divilſchi, greift das unermeß⸗ liche Sandmeer bis hart an das Ufer. Einſam ra⸗ gen im Süden des genannten Orts drei Palmen gleich⸗ ſam wie Marken zum wolkenloſen Himmel; ſie ſtehen unmittelbar am Rande des angebauten Landes und ihre Häupter ſchauen weit in die Wüſte hinaus. Der ſchwarze fruchtbare Boden und die Dünen feinen, gelben, trockenen Sandes, womit glänzend hell die Wüſte beginnt, laufen ohne Uebergang unmittelbar neben einander dahin.
Welch' ein Anblick von dem Nile, an deſſen Ufern noch grüne Vegetation lacht, hinaus in die Wiſte! Welch' ein Contraſt! Der ferne Geſichtskreis zeichnet eine ungebrochne, ſanftgeſchwungene Linie. Nirgend ein Baum, ein Strauch, ein grünes Blatt. Das Auge ſucht einen Anhaltepunkt; aber vergeblich ſchweift der Blick über die zeichenloſe Bahn.
So wie ſich der Nil von der Wüſte entfernt, ge⸗ winnen ſeine Ufer wieder an Fruchtbarkeit und die Gegend wird angebauter und belebter. Die Vegeta⸗ tion bei dem Dorfe Wardon, das ganz in einem Dat⸗ telwalde verſteckt ruht und hinter welchem unmittelbar die Wüſte beginnt, gibt der von Fuah und Roſette nichts nach. Wieder flattern Turteltauben in zahlrei⸗ chen Schwärmen auf und nieder; nur die von Zeit zu Zeit über das blühende Paradies wehenden gelben


