Teil eines Werkes 
2. Band, Napoleon in Aegypten : historisch romantisches Gemälde : 1. Theil (1853)
Entstehung
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ihrem Fleiße aufgeſchreckt haben. Ich halte es bei meinem Mündel für ein wahres Glück, daß ſeine Glücks⸗ güter nicht von dem Umfange ſind, ein vielleicht mehr⸗ jähriges Interregnum als Volontair durchzumachen. Wie leicht, daß er ſeinem wahren Berufe, den Wiſſen⸗ ſchaften, auf welche er bereits ſo viel Zeit, Arbeit und Geld verwandt, ganz untreu würde oder gar ſeinen frühzeitigen Untergang fände.“

Lacoſte war nicht der Meinung des Schloßherrn. Er behauptete, daß für einen jungen Mann nichts bil⸗ dender ſei, als ein Feldzug. Nicht nur, daß ſich der Körper an mannichfache Strapazen und Entbehrungen gewöhne, ſo werde auch dem Geiſte reiche Nahrung geboten. Die Zeit, welche dem wiſſenſchaftlichen Stu⸗ dien verloren gehe, werde doppelt durch Erlangung von Erfahrung und Lebensweisheit erſetzt.

Wiewohl ſich der Chevalier durch ſolche Rede bei Camille ſehr in Gunſt ſetzte, ſo konnte Letzterer doch kein rechtes Vertrauen zu ihm faſſen. Der Mann hatte bei aller Politur und Artigkeit etwas Verſtecktes, was den unverdorbenen Jüngling nicht eben anzog.

Das Geſpräch ward plötzlich durch das Erſcheinen des Fräuleins von Montreuil unterbrochen, welches ei⸗ nem Engel gleich daherſchwebte und mit reizender Anmuth zur Tafel einlud, an der ſie ſelbſt mit Platz nahm.

Ein einziger Blick von Seiten des Chevaliers auf Clemence beſagte ihm, daß ſie heut gewählter geklei⸗ det gehe, als die ganze Zeit daher. Glänzend weißer Atlas umſchloß den ſchlanken Wuchs, während die zier⸗ lich geflochtenen Zöpfe zeigten, daß auf die Kopftvilette nicht geringere Sorgfalt war verwendet worden.

Wie ein Geier ſchoß ſogleich die Eiferſucht nach dem Herzen Lacoſte's. Er erkannte auf der Stelle in dem jungen Renouard den gefährlichen Nebenbuhler.

Stolle, ſämmtl. Schriften. II. 3