30
Rue Saint Jacob No. 9. Im dritten Stock. Dermalen ſich aufhaltend im Departement der Dröme, auf dem Schloſſe Saint Maurice, in der Nähe von Montelimart.“
Dies konnte allerdings in allen fünf Welttheilen Niemand anders als er ſelbſt ſein. Der übliche Poſt⸗ ſtempel war übrigens nicht auf dem Briefe zu ent⸗ decken, ſo wie Siegel und Handſchrift ihm völlig un⸗ bekannt waren.
Camille wog den Brief eine geraume Zeit in der Hand, bevor er den Entſchluß faßte, ihn zu öffnen. Die ganze Art und Weiſe, wie er zu dem Schreiben gekommen, war ihm ſo räthſelhaft, daß er die Zuſchrift ordentlich mit einer Art Scheu betrachtete. Er zerar⸗ beitete ſich das Gehirn, wer wohl Schreiber und geheim⸗ nißvoller Ueberbringer ſein könne, ohne ein befriedi⸗ gendes Reſultat zu erlangen. Da ihm hierüber ein⸗ zig und allein der Inhalt des Schreibens ſelbſt Aus⸗ kunft ertheilen konnte, ſo öffnete er endlich daſſelbe mit Sorgfalt, vhne das Siegel zu verletzen, und las folgende Worte:
„Empfanget beikommende Summe als Beiſteuer „für den bevorſtehenden Seefeldzug. Bedienet Euch
„derſelben ohne den geringſten Serupel. Niemand
„hat gerechtern Anſpruch darauf, als Ihr ſelbſt.
„Dies iſt die Bitte, womit unterzeichnet
der Ueberſender.“ Dieſen Zeilen lag eine Anweiſung auß fünftauſend Franken an ein bekanntes Handelshaus in Toulon bei.
Die ganze Sache kam dem jungen Renouard zu märchenhaft vor, als daß er ihr im Geringſten hätte Glauben beimeſſen können. Er lebte der feſten Ueber⸗ zeugung, daß ſich Jemand mit ihm einen Scherz er⸗ laubt habe; nur begriff er nicht, wer das ſpaßhafte Individuum in Saint Maurice, wo er fremd gewor⸗


