würm die Ferſe der Dahinfliehenden erreicht und ſtand im Begriff ihr Gift zu verſpritzen, als wieder der unbe⸗ kannte Engel dazwiſchen trat und die Todeswunde in Empfang nahm. Camille und Elemence waren gerettet, denn die Schlange vermochte ihnen jetzt nicht weiter zu ſchaden. Sie ſchien ſelbſt verwundet, wand ſich ſchmerz⸗ voll in endloſen Ringen und verhauchte die giftige Seele, die einer rothgelben Flamme vergleichbar in die Erde fuhr. Von nun an ward der Traum ſtill und gol⸗ den, und umgaukelte noch lange den ſelig Träumenden.
Während aber Camille ſchlief, ward plötzlich ein wunderſchöner Knabe mit reizendem Mädchenantlitz und langen dunkeln Locken ſichtbar, der leiſe und unhörbat hinter einem blühenden Schneeballenbeete hervortrat und vorſichtig überall umherſchaute, um nicht entdeckt zu werden.
Dann näherte er ſich dem Träumenden, betrachtete ihn eine Zeitlang mit einem liebreizenden Lächeln, ſchlich näher, hauchte einen Kuß auf ſeine Locken und ſchob ihm leiſe und behutſam ein Papier in die nach⸗ läſſig herabhängende Hand. Nachdem der ſchöne Knabe nochmals den Blick lange, lange auf dem Schläfer hatte ruhen laſſen, entfernte er ſich langſam, geräuſch⸗ los und verſchwand wieder im Gebüſche.
Nach einiger Zeit erwachte Camille aus ſeinem ſüßen Traume. Er ſchlug die Augen auf und wußte im erſten Augenblicke nicht wo er ſich ſo eigentlich befinde. Erſt allmälig kehrten Bewußtſein und Erin⸗ nerung zurück und ſeine Blicke fielen auch auf das Papier, das er in der Hand hielt. Mit dem größten Erſtaunen betrachtete er die ſauber gefaltete Zuſchrift, auf welcher ſeine Adreſſe nicht deutlicher geſchrieben ſtehen konnte.„ Herrn Camille Ren ouard, Student der Rechte. Wohnhaft zu Paris. Quartier latin.


