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kam die halbe Stiege entgegen. Das vorausgewan⸗ derte Schachtelbollwerk, das bereits den Nachmittag angelangt war, hatte unſere Ankunft verkündet. So fanden wir Alles zum ſchönſten Empfange vorbereitet.
Es fehlten grade zehn Minuten an eilf Uhr, als der ergreifende Augenblick gekommen war, wo ein und dieſelbe blaue Stube die Tante, die Couſinen und mich gemeinſchaftlich umſchloß. So ſicher war ich mei⸗ ner Sache noch nie geweſen; aber ich hütete mich wohl, den ſchwarzen Maleficus von Neuem heraus zu fordern. Ich glaube, wär' ich naſeweis geweſen, er hätte noch in dieſem Augenblicke die Mädchen aus der Tante Stube unter einem Donnerwetter entführt. Seit der Kutſchengeſchichte ſchien mir nichts mehr unmög⸗ lich. Ich ergriff daher ſo ſchleunig als möglich die Gelegenheit und überlieferte die complette Cuufinen⸗ ſchaft in aller Form Rechtens an die Tante, als des Vaters Schweſter.„Hiermit,“ erklärte ich,„zieh' ich meine Hand ab; ſeht ſelbſt zu wie Ihr nun fahrt und laßt mich fortan ungeſchoren.“ Die Tante conſtatirte die Empfangnahme, indem ſie die drei Mädchen der Reihe nach nochmals abſchmatzte.
Kaum aber war dieſer feierliche Aet vollzogen, als ich nicht blos die drei Finger meiner linken Hand⸗
ſondern alle zehn Finger, ſo viel ich überhaupt von
dieſem Artikel beſaß, geſpreizt nach der Decke ſtreckte, und einen ſo raſenden Schwur that, daß mir Tante und Cuufinen ſcheltend Ruhe geboten. Ich ließ mich aber nicht ſtören, ſondern ſchwur weiter, lieber geſpießt, gehängt, gebraten, gebacken, geſotten, geſäckt, erſäuft, erdroſſelt und dergleichen ſein zu wollen, als daß mir's je wieder in den Sinn kommen ſollte, die Escorte einer Weiberfuhre zu übernehmen. Die heutige trau⸗ rige Expedition hatte mich belehrt, daß mir Talent
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