Teil eines Werkes 
1. Band, Camelien : Novellen und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
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und Beruf als Chevalier des dames gänzlich abgehe, wie ich überhaupt die große Lehre vollkommen begrif⸗ fen, daß man in den Pandecten und Folianten recht wohl zu Hauſe ſein, und doch im ganz gewöhnlichen Leben ein Fremdling bleiben, und ſich wie andere die größten Fatalitäten bereiten könne.

Mit dem Baron hab' ich mich ſpäter vollkommen ausgeſöhnt. Nach Jahr und Tag führte er Mariannen, deren nähere Bekanntſchaft er während meiner Waſſer⸗ taufe gemacht hatte, als geliebte Gattin nach Linden⸗ thal. So haben ſelbſt Unfälle ihr Gutes. Obſchon ich geſchworen, von meinen Couſinen keine zur Frau zu nehmen, ſo haben gleichwohl Amalie wie Marie recht liebenswürdige Männer gefunden. Mir ſelbſt hatte die verhängnißvolle Reſidenzfahrt meine ſchon gehegte Ab⸗ neigung gegen die Frauen und Mädchen nur vermehrt. Ich wandte mich daher mit um ſo größerer Zärtlich⸗ keit den Pandecten zu. Sie ſind meine treue, beſtän⸗ dige und nie veraltende Geliebte; und ſo bin ich Hageſtolz geblieben zeitlebens.

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