Teil eines Werkes 
1. Band, Camelien : Novellen und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
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im Stiche gelaſſen und des Barons Wagen entführt habe. Ich vertheidigte mich meiſterhaft; aber gegen ſo einen Weltmann kommt man nicht aus. Mehrere Bitterkeiten mußte ich einſtecken. Ich that's recht gern, es war Alles Zuckerlecken gegen die überſtand'ne Trüb⸗ ſal. Kaum war ich mit dem Baron fertig, ging's mitten in der Nacht auf offner Landſtraße mit den Couſinen los. Sie hätten Todesangſt ausgeſtanden, bis der Herr Baron ſich ihrer angenommen. Das konnte Alles ſein, aber was konnten alle anzüglichen Redensarten jetzt weiter helfen.

Der Baron war wieder Alles in Allem. Ich mußte mein entführtes Geſchirr umlenken und wieder der Stadt zukehren. Des Barons Rappen, der treffliche Renner, ward vor den Wagen der Cuuſinen geſpannt und ohne bei mir die geringſte Erlaubniß einzuholen, ſprang Lindenthal auf den Bock und fuhr mit der ganzen Sippe flott nach der Stadt. Mir blieb in der⸗Welt

nichts übrig, als mit meinem lahmen Gaule langſam

nachzuackern. Ich kam mir vor wie Hiob der Zweite.

Der Baron fuhr wie ein Satan; er hatte mich bald ſo weit überholt, daß es wieder ganz einſam umher ward. Das Unziemliche ſeines Benehmens ſtellte ſich mir immer unverantwortlicher heraus, je mehr die unheimliche Stille zunahm. Wenn mir etwas Menſch⸗ liches begegnete, trug kein Menſch als er die Schuld. Dazu kam der ärgervolle Gedanke, daß dieſer Menſch die Früchte der ganzen mühſamen Fahrt allein ſchlucken und glorreichen Einzug bei der Tante halten werde, während ich im Nebelgrauen, das keines Menſchen Freund iſt, als Rieſenſchnecke auf unſicherer Landſtraße dahin krieche. Mein Rappe ward von Schritt zu Schritt bedächtiger; die Peitſche ließ ihn ganz gleich⸗ müthig. O dieſen Baron hatte der Teufel expreß zu