Teil eines Werkes 
1. Band, Camelien : Novellen und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
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Wir kamen uns ganz nahe. Ich dachte, Vorſicht iſt in allen Dingen nütze, und bog ſo weit als möglich aus. Da erhob ſich mit Einemmale eine lange pech⸗ ſchwarze Figur auf dem Kutſchbocke des vorüber fah⸗ renden Einſpänners und rief:Halt! Wer da!

Nun deutlicher konnte ich's nicht haben, daß es dieſer Räuber direct auf mich abgeſehen hatte. Mir quoll in der Angſt das Haar empor. Ich ſchrie in der Angſt ebenfalls wie beſeſſen:Halt! Werda! und ſchlug aus Leibeskräften auf den Rappen, daß er ſo⸗ gleich in Galopp dahin brauſte.

Da rief eine weibliche Stimme hinter mir:Cou⸗ ſin! Couſin! Alle Wetter, das war Mariannens Stimme. Zugleich ertönte auch Amaliens Ruf.

Jetzt befand ich mich unſtreitig in einer höchſt gefährlichen Lage. Im Stiche mocht' ich die mir An⸗

vertrauten nicht laſſen, und gleichwohl hatt' ich keine

Luſt,⸗mit dem ſchwarzen Ungethüm, das mich ſo un⸗ Nverſchämt angebrüllt, Hader und Streit anzufangen. 3 Das war unſtreitig ein Haupträuber, mit dem ein ehrlicher Mann ſtets den Kürzern zieht. Demnach zü⸗ gelte ich den Rappen und fuhr nur Schritt vor Schritt, rückwärts gewendet, die Dinge erwartend, die da kom⸗ men ſollten. Das ſtand feſt bei mir, unternahm der Schwarze Feindſeligkeiten, ſo jagte ich in Galopp zum nächſten Dorfe und holte Succurs zur Befreiung der Couſinen. Fangen ließ ich mich nicht; das hatt' ich mir Alles reiflich überlegt.

Sind Sie denn beſeſſen? rief jetzt von Neuem die Geſtalt und kam die Straße zurück. Mir wälzte ſich ein Vorgebirge von der Bruſt. Es war die Stimme des Barons von Lindenthal, deſſen eignen Frack ich auf dem Leibe trug.

Es kam jetzt zu Erörterungen: daß ich die Damen