Nun handgreiflicher konnte der ſchwarze Krebs meines Traumes nicht in Erfüllung gehen.
Endlich befand ich mich wieder vor dem Thore und fuhr in der ſtillen Nacht dahin. Ich war nun auf Alles gefaßt und mochte nicht daran denken, was alles für Abenteuer noch hereinbrechen könnten. Letztere waren jetzt nicht mehr zu berechnen, und der Gedanke, die Cvuſinen in dieſem Leben geſund und wohlbehal⸗ ten bei der Tante abliefern zu können, trat immer tiefer in das Bereich des Unmöglichen zurück.
Aber je weiter ich fuhr, deſto einſamer und un⸗ heimlicher ward es. Nur aus entfernten Dörfern ſchallte Hundegebell und das eintönige Horn der Feuer⸗ wächter. Ich liebte dieſe Art zu reiſen nicht; ſo mut⸗ terſeel allein, in unbekannter Gegend; man war den mannigfaltigſten Schickſalswechſeln ausgeſetzt. Der erſte beſte Böſewicht, ſo er Luſt hatte, konnte mich vom Bocke werfen, auf dem ich nicht einmal als rechtmäßi⸗ ger Befitzer ſaß.
Dergleichen miſantropiſche Betrachtungen und der
Gedanke an das Schickſal der Couſinen im rothen Ochſen, preßte mir allmälig einen gelinden Schweiß aus, den gewiſſe Raufbolde Angſtſchweiß nennen, den mir aber jeder vernünftige und friedlich geſinnte Menſch nicht wird verargen können.
Der Weg dehnte ſich eine Ewigkeit, kein Menſchen⸗ kind begegnete mir, wiewohl ich auf Räuberanfälle, auf Schuß, Hieb und Stich gefaßt war.
Endlich entdeckte mein ſtets geſpitztes und wach⸗ ſames Ohr ein aus der Ferne langſam daher knarren⸗ des Fuhrwerk. Ich athmete neu auf. Die Wagen kamen ſich näher. Bald erkannte ich in dem Entgegen⸗ kommenden ebenfalls einen Einſpänner, alſo einen Col⸗ legen, der freilich nicht ſo flott war wie der Meine.


