Teil eines Werkes 
1. Band, Camelien : Novellen und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
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ſchuldig gemacht. Der Himmel konnte wiſſen, ob ich nicht dieſen Augenblick wegen Wagenraubs und Pferde⸗ diebſtahls bereits denunzirt war. Aber die Couſinen, die Couſinen, die ich im rothen Ochſen bei der Rotte Kora, Datan und Abiram zurückgelaſſen hatte, was war aus ihnen geworden? Wenn jenes rohe Volk an den unglücklichen Mädchen Rache nahm wegen der Ver⸗ gehen, die man mir unverſchuldeter Weiſe zur Laſt legte; wenn man den armen, todtmüden Rappen mal⸗ traitirt, den ſchönen erſt vor ſechs Wochen erbauten Wagen demolirt hätte in der jetzigen revolutionä⸗ ren Zeit weiß das Volk nicht, was es thut o ich hätte mit dem Kopfe gegen die Wand rennen mögen.

Doch was blieb übrig? Ich muß hier geſtehen, Courage gehörte nie zu meinen Cardinaltugenden, in meinem ganzen Leben nicht; ich überließ dies den Rauf⸗ bolden aber diesmal mußt' ich zurück und die Cvu⸗ ſinen retten; und ſollt' ich untergehen mit meiner ge⸗ ſammten mühſam erworbenen juriſtiſchen Weisheit.

Dieſe Coufinenloſigkeit war unſtreitig das ſchau⸗ rigſte aller überſtandenen Abenteuer, der Zweck der ganzen Reiſe ging ja damit zu Grunde. Ich erkannte jetzt den Frevel, mit einem tückiſchen Fatum höchſt überflüſſiger Weiſe Spott getrieben zu haben. Nie⸗ mand ward mehr geſtraft.

O trauriges Umlenken des Geſchirres auf der Kö⸗ nigsſtraße vor dem Hauſe Nro. 43. Zum Glück war mein unzeitiger Beſuch nicht bemerkt worden. Die Tante ahnte nicht, wie nahe ihr der theure Reffe und in welcher Lage. Ich prieß nur den Himmel, daß es wenigſtens Nacht war. So hatte mich doch Nie⸗ mand erkannt. Was konnte es helfen? Die Reiſe ging wieder rückwärts, die Königsſtraße entlang, über den alten Jahrmarkt und die Brückenſtraße hinab.