Jetzt aber riß meine Hand den Schlag auf und—„Land! Land!“ rief meine Siegerſtimme in die Finſterniß. Die Mädchen mußten einen eiſernen Schlaf haben. Wiederholt erſcholl mein Ruf:„Land! Land!“— keine Antwort erfolgte. Ich ſchlage den einen Leder⸗ vorhang zurück; das Licht der Straßenlaternen fällt in den Kutſchraum; ich ſehe und ſehe— reibe die Augen— ſehe wieder— reibe mir den ganzen Kopf, ſehe zum dritten Male— ja da ſind keine Cuufinen! — Nun jetzt denk' ich denn doch nicht anders, als daß das Weltgericht mit ſammt ſeinen zehntauſend Trom⸗ peten der ewigen Verdammniß über mich hereinbricht; ich betrachte den Wagen, Tod und Teufel, das iſt ja gar nicht mein Wagen; ich ſpringe vor zum Rappen, o Graus und Vernichtung, das iſt ja gar nicht mein Rappen; der meine hatte wenigſtens ein halbes weißes Ohr, dieſer war ganz ſchwarz, wie der Teufel ſelbſt. Jetzt brach mir mit einem Male eine infernaliſche Lich⸗ tigkeit im Innern auf. Alſo darum ſtand das Fuhr⸗ werk ſo fix und fertig vor der Gaſthausthür; mir war es ja gar nicht beſtimmt; darum ging die Reiſe ſo flott, und darum waren die Couſinen— ja der Ge⸗ danke an ſie brachte mich zur Verzweiflung. Ich ward
mir bewußt, wie Jemandem zu Muthe ſein müſſe, der
im Begriff ſteht, ſich zu erhängen, zu erſtechen, zu ver⸗ giften, zu erſäufen oder ſonſt todt zu machen.
Da ſtand ich nun vor dem Hauſe der Tante zwar wohlbehalten und ganzbeinig, aber ohne Coufinen, ohne Rappen, ohne Wagen; ja nicht einmal in meinem ur⸗ ſprünglichen Rocke, ſondern im Fracke des Barons von Lindenthal; und überdies als Dieb, denn ich hatte mir das erſte Hauptſtück, das nach anerkanntem deutſchen Criminalrechte zu einem completten Diebſtahl erforder⸗ lich iſt, der Entwendung fremden Eigenthums —
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