Teil eines Werkes 
1. Band, Camelien : Novellen und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

214⁴

Rohr, ob der ſchwarze Punkt nicht weiter rücke. Er ſchien wie angenagelt. Die Reiſe währte zum Ver⸗ zweifeln. Ich ſah ſchon, unter ein paar Stunden war an ein Fortkommen nicht zu denken. Dann war ich unfehlbar todt, und mein ſeliger Geiſt marſchirte der Venus nach. Den Gedanken, bei Tage zur Tante zu kommen, dieſe vermeſſene Idee hatt' ich längſt aufge⸗ geben, obſchon die Reſidenz nur vier Meilen von dem Wohnorte meines Oheims entfernt war. Ich befand mich dermalen mit meiner Familie wieder eine anſehn⸗ liche Strecke abwärts von der Landſtraße. So geht's, wenn man ein Mal vom rechten Fahrwege abweicht. Waſſer⸗ und Feuerprobe wäre erſpart worden, blieb ich auf der Chauſſee; und ging die Reiſe vorwärts, wie ich früher beſtimmt, punkt fünf Uhr, konnt' ich jetzt im behaglichen Sopha der Tante ſitzen, bei einem freundlichen Kaffee nebſt Zwieback, anſtatt hier auf der vermaledeiten Sternwarte.

Herr Findeiſen entwickelte unterdeß eine ſolche Maſſe aſtronomiſcher Gelehrſamkeit, daß ich nicht begreifen konnte, warum der Mann nicht lieber Aſtronom als Landwirth geworden. Da ich in ſtiller Verzweiflung zuhörte, hielt es jener für Aufmerkſamkeit und Inter⸗ eſſe und verhieß, falls es die Zeit erlaube, mich nach dem Venusdurchgang mit den neueſten Entdeckungen und Anſichten über die Doppelſterne und Nebelflecken bekannt zu machen. Da erklärte ich ihm aber rund heraus, daß dies die Zeit nicht erlauben würde.

So verbleib's für ein ander Mal, tröſtete der Aſtronom.

Recht gern, ſo ich am Leben.

Findeiſen lachte, er hielt meine Worte für Scherz, und ſah wieder durch den Frauenhofer. Mir war's gar nicht zum Lachen. Indeß kehrte der Aſtronom