Teil eines Werkes 
1. Band, Camelien : Novellen und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
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der Univerſität kommt, weiß nicht, daß heute präcis ein Viertel auf zwei Uhr eins der merkwürdigſten aſtro⸗ nomiſchen Phänomen ſich ereignet? Daß jetzt in die⸗ ſer heiligen Stunde alle Aſtronomen und jeder wiſſen⸗ ſchaftlich Gebildete auf ſeinem Poſten ſteht? Daß heute die Venus durch die Sonne geht?

Jetzt ward mirs ſchrecklich Tag. Ich hatte mich bei meinen Pandekten den Teufel um Venus und Aſtro⸗ nomie bekümmert; um aber meiner gelehrten Bildung keine Blöße zu geben, geſtand ich, daß mir das Phä⸗ nomen allerdings bekannt ſei, ich aber geglaubt hätte, es werde ſich erſt in einigen Tagen ereignen.

Unverzeihlich, unverzeihlich, junger Mann, rief Findeiſen,bedenken Sie, daß dieſe ſeltſame Himmels⸗ erſcheinung ſeit faſt drei Menſchenaltern nicht dagewe⸗ ſen. Aber es iſt wirklich kein Augenblick zu verlieren. Ihr Mädchen, zu Tiſche. In längſtens zwei Stunden kommen wir nach.

In längſtens zwei Stunden kommen wir nach; warum nicht gleich übermorgen oder zum jüngſten Tage? Meine Verzweiflung ging in ſtille Wuth über. Was wollt' ich machen? Ich durfte es mit dem Aſtrono⸗ men nicht verderben, denn durch ſeine Vermittelung bezog ich ein anſehnliches Stipendium. Hätt' ich mich mit den Couſinen zu Tiſch ſetzen und den Venusdurch⸗ gang verpaſſen wollen, ich wäre in ſeinen Augen ein verlorener Menſch geweſen, mein Credit und ſeine Pro⸗ tektivn war für immer dahin. Ich erinnerte mich, was mir der Onkel von Findeiſen's Paſſion für Aſtronomie erzählt hatte. Und wäre auch kein ſo egviſtiſcher Be⸗ weggrund vorhanden geweſen, mocht' ich in ſeinen Au⸗ gen nicht für einen ſo unwiſſenſchaftlichen Menſchen gelten, der wegen einer Bratenſchüſſel eine ſo ſeltene Himmelserſcheinung in die Schanze ſchlägt. Alſo folgte 14*