Teil eines Werkes 
1. Band, Camelien : Novellen und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

209

tens ließ er ſich auf die Poſtillonsgeſchichte gar nicht ein. Ja, ich lobe mir einen wiſſenſchaftlich gebildeten Mann, der ſteht zu erhaben, um über eine Bagatelle viele Worte zu machen.

Herr Findeiſen ſchien ausnehmend erfreut über meine Anweſenheit. Er umarmte mich wiederholt und rief ein Mal über das andere:Es ſoll Sie nicht gereuen, Candidate, bei mir eingekehrt zu ſein. Sind zur glücklichen Stunde eingetroffen. Dabei ſah er oft nach ſeiner Taſchenuhr.

Herz und Magen pochten vor Freude; unbeſtritten tafelte er uns einen delicaten Rehrücken auf, oder ein Cabinetswein war angelangt.

Aber an ſolch' hochwichtigem Tage eine Reiſe zu unternehmen, Candidate, fuhr Herr Findeiſen fort, ein Gelehrter vom Fach, ohne die nothwendigſten Inſtrumente? Aber Ihr Glücksſtern hat Sie zu mir geführt, noch iſt nichts verſäumt und oben iſt Alles in Ordnung. Sie ſind ein Glückskind. Dabei ſah er wieder nach der Uhr.

Ich konnte aus des Mannes Rede nicht ganz klug werden. Was war denn für ein hochwichtiger Tag? Für mich allerdings, ich hab' ihn mein Lebenlang nicht vergeſſen; aber unſer Gaſtfreund ſchien einen andern Sinn damit zu verbinden. Ueberdies ſollt' ich ein Glückskind ſein; das war doch komiſch.

Ich verſichere Sie, Candidate, ſprach Herr Find⸗ eiſen,ein ſolch' Prachtſtück wie ich Ihnen vorlegen werde, finden Sie auf keiner Univerſität. Hab's erſt kürzlichſt erhalten. Heut' gehen wir d'ran.

Mir wäſſerte der Mund, er konnte in der Welt nichts anderes meinen, als ein meiſterhaft durchbrate⸗ nes Stück Wildpret, oder ein fricaſſirtes Spanferkel,

oder der Himmel weiß, welch' andern außerordentlichen olle, ſämmtl. Schriften. I. 14