Teil eines Werkes 
1. Band, Camelien : Novellen und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
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weſtlichen Himmel, und die Glocken der Dorfkirche läuteten den müden Tag zur Ruhe. Ach, was ſind Frühling, Blumen, Sterne gegen Dich, Du Engels⸗ bild, das weder im Wachen noch im Traume mich mehr verläßt! Geſtern machte mir Herr von Riſſon ſeinen zweiten Beſuch. Er war zutraulicher und weniger einſylbig als das erſte Mal, wiewohl die Melancholie aus jedem ſeiner Worte ſprach. Unfehl⸗ bar hat ihm der Arzt meine Mitwiſſenſchaft ſeines bejammernswerthen Geſchickes verrathen. Er erwähnte nichts davon; aber bat mich dringend um einen Ge⸗ genbeſuch, den ich auch auf Morgen zugeſagt habe.— Ich werde ſie ſehen. Gott, Gott, nein, du kannſt ſie nicht ſterben laſſen! Den 9. Mai.

Der Fliederbaum ſteht überhangen

In reicher violetter Pracht,

Kaum kann ein grünes Blatt gelangen

Zum Himmel durch die Blüthennacht.

Es will ſich Alles nun entzünden,

Es bricht hervor aus Grab und Gruft,

Ich weiß mich kaum zurecht zu finden

Vor lauter Blumen, Klang und Duft. Ach, ſchöner als alle Blumen auf den Auen blüht ſie. Geſtern war einer der ſchönſten Tage meines Lebens. Ich bin mit Riſſon's, Vater und Tochter, und dem trefflichen Arzte von früh bis Abends in den Blumenvollen Thälern umhergeſchwärmt. Wir machten Mittag in einer maleriſch zwiſchen hohen Ber⸗ gen gelegenen Mühle. Valerie verſah das Amt der guten Wirthin. Die Müllersleute konnten ſich nicht ſatt ſehen an dem ſchönen Mädchen. Wenn Valerie ihren roſenfarbenen Humor ſprudeln läßt, muß der engherzigſte Miſanthrop guter Laune werden. Selbſt den alten Riſſon hab' ich geſtern mehrmals lächeln