Teil eines Werkes 
1. Band, Camelien : Novellen und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
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ſehen, was mir innig wohl that. Wie, und dieſes Mädchen, dieſer wahre Springinsfeld, dem die Ge⸗ ſundheit auf der Wange blüht, dieſes kräftige Natur⸗ kind, ich habe nie ein kräftigeres Mädchen geſehen, ſollte in ein paar Wochen im Sarge liegen? Dieſe engelhaften Formen, das Meiſterſtück der ſchaffenden Natur, dieſe rührende Gottverkündende Schönheit ſchon zur nächſten Roſenblüthe in Staub zerfallen? Nim⸗ mermehr, der Doctor iſt ein Empiriker. Er beurtheilt das Bevorſtehende nach dem Dageweſenen. In der ganzen Natur gibt es Ausnahmen; warum ſollte Va⸗ lerie nicht eine ſolche Ausnahme ſein? Den 10. Mai.

Es iſt ſeit dem Sonnabende kein Tag vergangen, wo ich nicht auf Lindenthal einen Beſuch gemacht hätte. Geſtern endlich hab' ich mit Herrn von Riſ⸗ ſon ein vertrautes Geſpräch gehabt über dies furcht⸗ bare Erbübel. Der alte Mann hat mir innig weh gethan; ſein Schmerz brach wiederholt in Thränen aus. Ich tröſtete aus aller Macht meiner Seele; aber mein Troſt ſchien nicht anſprechen zu wollen. Ward ich durch Riſſon's Mittheilungen doch ſelbſt wie⸗ der auf's Aeußerſte für Valerien beſorgt; doch als dieſer Engel mir gleich darauf im Garten mit ihrem Lieblingstäubchen entgegentänzelte, munter wie ein Fiſchlein im Waſſer, und mich fortwährend zu lachen machte, vergaß ich bald alle Todesgedanken.

Den 12. Mai.

Nun iſt mein Haus und mein Garten, meine blaus Stube und meine Laube geheiligt. Ueberall iſt Valerie geweſen, welche mir geſtern in Begleitung ihres Vaters einen Gegenbeſuch machte. Ich könnte den Boden küſſen, den ihr Füßchen berührt hat. In