Teil eines Werkes 
1. Band, Camelien : Novellen und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
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„Und dieſer blühende Engel,“ fragte ich mich, „ſollte in wenigen Wochen einem unerbittlichen Tode geweiht ſein? Nimmermehr, nimmermehr!“

Valerie bemerkte jetzt, daß noch Jemand hinter den Zweigen verborgen ſei; ſie hielt plötzlich inne und blickte den Dvetor fragend an.

„Treten ſie nur näher, Herr Reinhold,“ rief mir dieſer lächelnd zu,„Fräulein Valerie W ſich nicht. Ein guter Bekannter und der Herr Nachbar von Tanneberg, deſſen Güte wir die herrlichen Kohl⸗ keime verdanken,“ fuhr er, mich dem Mädchen vor— ſtellend, fort.

Valerie warf einen Blick nach mir, ſchlug die Augen nieder und ſprach leiſe zum Doctor gewendet: „So ſind wir doch nicht die Einzigen, die ſich ſo früh auf's Land gewagt.“

„Ich wollte einmal den Frühling in ſeiner Kind— heit kennen lernen,“ ſprach ich.

„Und iſt er nicht wunderſchön?“ fragte das Mäd⸗ chen freundlich.

„Ein wahrer Garten Gottes,“ antwortete ich,

dem ſelbſt die Engel nicht fehlen.“

Valerie war noch ſo natürlich, daß ſie meine Schmeichelei nicht verſtand. Sie blickte wieder fragend zum Doctor.

Doch genug für heute. Marthe hat ſchon zwei Mal zum Vesperbrote gerufen. Morgen ein Mehreres.

Den 7. Mai.

Da hab' ich geſtern Abend eine Stunde lang in meiner Laube geſeſſen und durch die violetten Trau⸗ ben des Flieders nach der untergehenden Sonne ge—

ſchaut. Ueber mir ſang ein Vöglein ſein Abendlied. Dann ſchaute der Abendſtern in ſtillem Glanze vom