„Es iſt Valerie,“ flüſterte der Arzt;„wir wollen ſie nicht ſtören.“
Thränen ſtanden in meinen Augen, ich hielt die Hände wie betend gefaltet.
„Du großer, garſtiger Karpfen du,“ ſprach jetzt das Mädchen ganz mit der Fütterung der Fiſchlein beſchäftigt,„du mußt den armen Kleinen auch nicht Alles wegeſſen, da—“
Hiermit warf ſie eine Handvoll Broſamen nach der entgegengeſetzten Richtung von der, wo ein mäch⸗ tiger Karpfen mit unverwüſtlichem Appetite und gro⸗ ßer Arroganz den kleinern Collegen faſt ſämmtliche Brodbrocken wegſchnappte.
Das Mädchen ſtand jetzt auf und ſchüttelte den Reſt der Broſamen aus dem ſchwarzſeidenen Schürz⸗ chen in den Teich.
„Aus war der Schmaus!“ rief ſie und ſah lächelnd noch ein Weilchen dem luſtigen Treiben der Fiſche zu. Dann wandte ſie ſich zu dem Rehe, daß unſere An⸗ weſenheit bemerkte und fortwährend mit geſpitzten Ohren auf und nieder trippelte.
„Aber ſag mir, mein Peter,“ fragte Valerie, „was läufſt du ſo entſetzlich auf und ab?“
Plötzlich ſchaute ſie auf und erblickte den Haus⸗ arzt. Hohe Freude verbreitete ſich über das ſchöne Geſicht. Sie kam auf den Italiener zugeſprungen und bot das Händchen zum herzlichen Willkommen.
„Doctor, beſter Doctor!“ rief ſie lachend,„ſchon wieder das Mittagseſſen verſäumt, und Katharina hatte ein Leibgericht aufgetragen. Warum laufen Sie in die Berge? Wiſſen Sie aber das Neueſte, heſter Doetor,“ fuhr ſie plaudernd fort,„mein Namenszug, den Sie jüngſt mit Kreſſe ſäeten, iſt dieſen Morgen aufgegangen und macht ſich allerliebſt.“


