27
menhafte Wieſen. Springbrunnen rauſchten, ſchattige Ruhebänke mit idylliſchen Inſchriften luden wieder⸗ holt zum Platznehmen ein. Bald blickte das ſtille Silber eines Teiches durch die Blätter. Traumhaft zogen zwei Schwäne die blaue Fluth entlang. Wir traten an das Ufer. Welche Ruhe athmete über der Waſſerfläche, kein Lüftchen rührte ſich. Maleriſch ſpiegelte ſich das Ufergeſträuch in den klaren ſtillen Wellen. Blaue Gbockenblumen nickten über den Rand, und hier und da gaukelte ein goldener Papilio über der Fluth.
Wir ſtanden eine Zeitlang im Anſchauen des Friedensbildes verſunken, als plötzlich ein Rehlein mit ſeinen klugen Augen und geſpitzten Ohren aus dem benachbarten Geſträuch guckte.
Der Italiener, welcher das Thierchen erkannte, faßte ſchnell meine Hand.
„Pſt!“ flüſterte er,„ſie muß in der Nähe ſein.“
Ich bebte. Leiſe zogen wir uns vom Ufer zu⸗ rück. Der Doctor ſchaute vorſichtig nach allen Sei⸗ ten. Dann führte er mich über den grünen Raſen⸗ teppich längs dem hochaufgeſchoſſenen Strauchwerk einige Schritte ſeitwärts, von wo man auch den übrigen Theil des Ufers überſchauen konnte. Him⸗ mel, welch ein ſelig Bild nie geträumter Schönheit bot ſich meinen Blicken dar! Auf einer kleinen Bre⸗ terbank am Ufer ſaß ein Mädchen in roſenfarbenem Kleide, holdſelig lächelnd und mit der kleinen Hand ununterbrochen Broſamen in das Waſſer werfend, die von den muntern Fiſchen ſogleich weggeſchnappt wur⸗ den. Ein zahmes, weißes Täubchen wiegte ſich auf ihrer Schulter.
„Um Gotteswillen!“ fragte ich leiſe, und die Frage erſtarb auf meinen Lippen,„doch nicht—“


