Teil eines Werkes 
1. Band, Camelien : Novellen und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
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Auf der genannten Familie ruht ſeit langen Jah⸗ ren ein furchtbares Erbübel, eine Krankheit, welche bis ijetzt allen Bemühungen der erfahrenſten Aerzte Trotz geboten hat. Die Riſſon's ſind nämlich in der Regel mit zahlreichen Töchtern geſegnet, nie gab es engel⸗ haftere Mädchen, aber der Himmel ſcheint ſie den El⸗ tern nur für einen kurzen Morgentraum geliehen zu haben, denn ſobald ſie das achtzehnte Jahr erreicht und der Frühling auf den Bergen ſeinen ſchönſten Schmuck, ſeine Roſen entfaltet, führt nach ſchmerzloſer Krankheit von wenigen Stunden der Tod die irdiſchen Engel in ihre wahre Heimath zurück.

Ich hatte ſchon manchmal von ſolchen Erbkrank⸗ heiten erzählen hören, aber ſie immer mehr für Dich⸗ tung denn für Wahrheit gehalten; darum lauſchte ich mit zurückgehaltenem Athem der wunderbaren Hiſtvrie.

Der Doctor ſprach weiter:

Bereits hat Herr von Riſſon, welchen Sie ken⸗ nen, drei ſeiner blühenden Töchter begraben; die Gattin folgte vor Gram bald nach; und ſo iſt dem Unglücklichen nur noch ein Mädchen verblieben, die reizende Valerie, welche vor Kurzem ihr achtzehntes Jahr erreichte und welcher in nächſter Roſenblüthe gleichfalls das Lvos der Schweſtern bevorſteht. Sie iſt die ſchönſte ihrer Schweſtern. Sie werden daher die Melancholie des Vaters wohl erklärlich und zu entſchuldigen finden.

Allerdings, ſprach ich tief erſchüttert;aber ſollte denn die Kunſt wirklich kein Mittel ausfindig machen, dem furchtbaren Geſchick entgegen zu arbeiten?

Es iſt Alles geſchehen, verſetzte der Arzt,und immer vergebens. Der Herr von Riſſon hatte zu⸗ fällig erfahren, daß mir einige Curen bei ähnlichen Krankheiten gelungen. Er ließ mich mit großen Ko⸗