ſinne mich, nie auf ſo intereſſante Art im Gebiete der Litihiſeuſchäi unterhalten worden zu ſein. Der Italiener hatte der großen Schöpfung tief in das in⸗ nerſte Geäder geſchaut und wußte die dem Laien oft wunderbaren Räthſel überraſchend zu löſen. Ich hatte ob der anziehenden Vorträge Riſſon ſammt ſeiner Toch⸗ ter vergeſſen.
So erreichten wir nach anderthalbſtündiger Wan⸗ derung einen Fahenß das„rothe Vorwerk“ genannt, welcher, am Fuße des Gebirges gelegen, einem meiner Freunde, dem Oekonomen Morgenſtern, einem biedern, immer frohgeläunten Manne angehörte. Morgenſtern war außer ſich vor Freude ob des ſo unverhofften Be⸗ ſuchs. Er führte uns ſogleich in ſein ſtattliches Gaſt⸗ zimmer, aus deſſen Fenſtern man eine herrliche Aus⸗ ſicht über das Frühlingsvolle Land zu unſern Füßen genoß. Bald perlte der duftende Johannisberger in den funkelnden Römern; ſie klangen an einander. Ich trank mit dem Italiener auf die Bekanntſchaft im hohen Gebirge, die Herzen wurden wärmer, die Zunge gelöſter.
Der Doctor ſchaute eine Zeit nachdenkend in ſein Glas; über das ausdrucksvolle Geſicht verbreitete ſich ein Schatten von Wehmuth. Endlich, als wir allein waren, ſprach er:
„Ich habe Ihnen vorhin in Betreff der Familie Riſſon mehrere ausweichende Antworten gegeben. Die ſtrenge Zurückgezogenheit dieſer Leute ſcheint Ihr In⸗ tereſſe erregt zu haben. Wohlan! Sie ſollen das be⸗ klagenswerthe Geſchick dieſer trefflichen Menſchen erfah⸗ ren, obſchon Herr von iſon nicht wünſcht, daß es bekannt werde; Sie werden zu ſchweigen wiſſen und den Ungl ücklichen ihr inniges Mitleid nicht verſagen.“
Ich rückte, auf das Höchſte geſpannt, mit meinem Stuhle näher an den Tiſch. Der Italiener fuhr fort:


