Teil eines Werkes 
1. Band, Camelien : Novellen und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
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vor; aber das Reich der Blumen war erloſchen. Kei⸗ nes der holden zarten Kinder Florens wagte in der rauhern Bergluft die goldnen Augen aufzuſchlagen; nur rothe Pechnelken blühten einſam an den Felſen.

Aber je weiter ich vordrang, deſto wilder, deſto einſamer ward die Gegend, deſto lauter rauſchten die Gewäſſer in den Tiefen. In vielen der Schluchten lag noch Schnee und Eis. Rings, ſo weit die Blicke reichten, nichts als Felſen und zwerghaftes Kiefernge⸗ hölz; nirgends eine Hütte, eine menſchliche Wohnung, nirgends ein lebendes Weſen; nur daß von Zeit zu Zeit ein Raubvogel mit ſeinen langen Flügeln über die todtſtille, verſteinerte Gegend ſchweigend dahin ſchwebte.

Welch ein Contraſt! Wenig Stündchen da unten blühten die Blumen, die Pfirſichen und Aprikoſen, ſummten die Bienen, ſchwirrten die Schwalben in ſeide⸗ ner Luft hier Alles todt, erſtarrt und verſteinert, kein Athemzug einer blühenden Natur, nur rauhe Ge⸗ birgsluft ſtrich ſcharf über die Felſen.

Ich zog eine kleine Gebirgskarte hervor, um mich zu orientiren. Das Ziel meiner Wanderung war eigent⸗ lich ein Hammerwerk, das im höchſten Gebirge gelegen. Nach meiner Berechnung war ich noch zwei Stunden davon entfernt; aber wie den Weg finden durch die Felſenöde? Zudem zeigte meine Uhr, daß die Mittags⸗ ſtunde nicht fern ſei, und ich beſchloß, für diesmal das Hammerwerk aufzugeben und wieder in den Frühlings⸗ ſaal hinabzuſteigen.

Nur ungefähr hundert Schritt drang ich auf dem immer unzugänglicher werdenden Felſenpfade noch vor⸗ wärts; dann machte ich Halt und überſchaute nochmals das wilde Panorama. Ein Geier ſtieg in einiger Ent⸗ fernung von ſeinem Felſenneſte auf und floh kreiſchend über mir dahin. Ich folgte ſeinem Fluge, als plötz⸗