Teil eines Werkes 
1. Band, Camelien : Novellen und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
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lich meine Aufmerkſamkeit durch eine wunderbare, faſt geſpenſtiſche Erſcheinung auf das Aeußerſte in Anſpruch genommen ward.

Unfern an einer der Felſenwände, in bedeutender lebensgefährlicher Höhe, kauerte eine graue wenſchliche Geſtalt. Ich glaubte im Anfange nicht recht geſehen zu haben, rieb mir die Augen, aber es war nicht anders.

Die Märchen von Rübezahl, Gnomen und Berg⸗ geiſtern traten unwillkürlich vor die aufgeregten Sinne. Ich wußte nicht, ſollte ich vorwärts oder rückwärts. Unverwandt waren meine Blicke nach der ſonderbaren Erſcheinung gerichtet.

Nach einiger Zeit erhob ſich die Geſtalt, klomm mit grauſender Verwegenheit an der abſchüſſigen Fel⸗ ſenwand eine Strecke dahin, wo ſie von Neuem nie⸗ derkauerte und an dem Geſtein hin und wieder taſtend nach Etwas zu ſuchen ſchien.

Nach einiger Zeit erhob ſie ſich wieder: aber das Blut erſtarrte in meinen Adern, jetzt kletterte der Graurock die faſt verpendiculäre Felſenwand mit der Geſchicklichkeit eines Gemſenjägers in ſchräger Linie empor und erreichte glücklich die Felſenkuppe. Dort angekommen, zog er eine Art Beutel hervor, der an ſeiner Seite hing, und den er mit einem Gegenſtande anfüllte, welchen er aus der Buſentaſche hervorzog.

Das muß ein höchſt vrigineller Kauz ſein, ſprach ich zu mir,deſſen Bekanntſchaft mich ſicher nicht ge⸗ reuen wird. Ich rief ſofort nach dem Felſen hinauf:

Heda, gut Freund! wo finde ich den Weg nach Wildenthal? Ich bin irre gegangen in dieſem Felſen⸗ labyrinthe.

Wildenthal war nämlich das letzte Gebirgsdorf, von wo man nach kurzer Wanderung in den Frühling hinabſteigen konnte.