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Den 5. Mai.
Sonderbar, als ich vorgeſtern dieſe Verſe Uhland's in das Tagebuch ſchrieb, wie hätte ich ahnen können, daß ihre letzten Worte für mich auf ſo wunderbare Weiſe in Erfüllung gehen würden. Und gleichwohl, ja ich fühl' es, nun muß ſich Alles— Alles wenden! Der ſchönſte Maimorgen war geſtern aufge⸗ blüht. Ich eilte ſchon zeitig hinaus in den Frühling. Ueberall, ſo weit der Blick reichte, nichts als weiße und rothe Blüthen, goldenes Grün und blauer Himmel. Ich eilte nach dem Kulmberge, unfern von meiner Wohnung gelegen, von wo man eine erquickende Aus⸗ ſicht über die ganze Gegend hat. Laut jubelte ich die Worte Wilhelm Müllers in die ſchöne Welt hinein:
Und ſo ſtreut er ſeine Lettern,
Weiß und grün und roth und blau,
Ueberall mit vollen Händen
Ueber Berg und Thal und Au.
Brüder, leſ't die lieben Schriften,
Voller Jugend, voller Luſt,
Brüder, leſit und ſtürzt euch ſelig
An des Lehrers warme Bruſt. Heute ſollte mich kein Gott abhalten, einen Ausflug nach dem höhern Gebirge zu machen. Ich hatte be⸗ reits Marthen annoncirt, daß ſie mit dem Mittags⸗ brote nicht zu warten brauche; ich würde erſt mit dem Abende zurückkehren.
Nach einſtündiger Wanderung befand ich mich ſchon ziemlich hoch auf den Bergen. Hier rauſchten in den Gründen die Urquellen, unmittelbar aus dem Buſen der Erde kommend; darüber breiteten Fichten und Tannen ihr grünes Waldbach. Einſam ragten die Felſen in grotesken Geſtalten in die ſtille Luft; Moos und Farrenkräuter mit den Palmenähnlichen Blättern wuchs hier und da aus den feuchten Fugen üppig her⸗
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