Teil eines Werkes 
1. Band, Camelien : Novellen und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
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Den 23. April.

Ein Sprichwort ſagt, wenn man den Teufel an die Wand malt, ſteht er ſchon hinter der Thür. Absit comparatio; aber geſtern freut' ich mich, ſo lange kei⸗ nen engliſchen Frack geſehen zu haben, und hatte es kaum im Tagebuche niedergeſchrieben, als mich ein Herr en Frack zu ſprechen wünſchte. Es war Herr von Riſſon, welcher kam, um ſich für die Kohlkeime zu hedanken. Joſeph hat Recht, es iſt etwas Räth⸗ ſelhaftes, faſt Unheimliches an dieſem Manne. Eine tiefe, finſtere Melancholie hat ſich über ſein ganzes Weſen verbreitet. Weder mein freundliches Gärtchen, noch die blühende Natur rings umher konnten ihm ein Lächeln abgewinnen. Er war ſehr wortkarg und empfahl ſich bald wieder. Beim Abſchiede ließ er ein paar Worte fallen, daß es ihm angenehm ſein werde, mich auf ſeinem Gute zu begrüßen; aber die Art und Weiſe, wie er dieſe Einladung vorbrachte, verrieth deutlich, daß ihm mein Beſuch keineswegs wünſchens⸗ werth ſei. Sein Wunſch ſoll erfüllt werden.

Den 1. Mai.

oſeph thut, ſeit ich ihm wegen der Kohlgeſchichte den Text geleſen, Alles, was er mir an den Augen abſehen kann. Er hatte vernommen, daß ich leiden⸗ ſchaftlich Muſik liebe; darum war er erſt geſtern in eigener Perſon nach dem anderthalb Stunden entfern⸗ ten Städtchen geeilt, wo ſich eine wandernde Berg⸗ Muſikbande aufhält, und hatte dieſelbe hieher beſchie⸗ den, wo ſie heut' Morgen unter meinen Fenſtern in heiliger Frühe den erſten Maientag mit einem Choral begrüßte. Ich dachte in allem Ernſte, ich wäre ſelig geſtorben, als dieſe ſanften frommen Töne meinen Morgentraum durchklangen und ſich mit ihm verſchwi⸗ Stolle, ſimmtl. Schriften. 1. 2