Teil eines Werkes 
1. Band, Camelien : Novellen und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
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erfuhr ich durch Joſeph ſelbſt die ganze Kohlgeſchichte, und war nicht wenig erzürnt darüber. Als der Alte meinen Zorn gewahrte, den er in ſeiner Unſchuld nicht geahnt hatte, erſchrak er und ſchob alle Schuld auf Marthen. Nachdem auch dieſe von meiner Seite ihr Theil erhalten, ward ein ganzer Korb voll der prächtigſten Kohlkeime nach Lindenthal geſchickt.

Den 22. April.

Nun ſchlagen auch die alten Linden aus und ge⸗ währen Mittags ſchon recht angenehmen Schatten. Aller Orten bricht es weiß hervor, zwiſchen Aeſten

und Zweigen, auf Baum und Strauch. Die Pfir⸗

ſichen ſind wie mit einem rothen Tuche überhangen. Ein wunderſchönes Roth, dieſe Pfirſichblüthe; mit Entzücken weilt das Auge darauf. Einen herrlichen Anblick gewähren auch die Kirſchalleen, die mein ver⸗ ſtorbener Vater anlegen und veredeln ließ. Beſonders wandle ich da gern des Abends, wenn die Landſchaft von der ſcheidenden Sonne mit Purpur übergoſſen,

ein Stündchen auf und ab. Das iſt ein Summen der

Maikäfer, der Müller und der Mohren in den Blüthen!

Auf den benachbarten Gütern ſcheint es noch ſehr ſtill herzugehen. Die Jalouſieen der reizenden Som⸗ merwohnungen ſind noch feſt verſchloſſen. Die gnädi⸗ gen Herrſchaften können ſich von ihren Bällen und Aſſembleen noch nicht losreißen und verſäumen ein herrliches Stück Frühling darüber. Mir recht lieb. Es iſt weit angenehmer, wenn mir auf meinen länd⸗ lichen Spaziergängen nur einfache Landleute mit ihrem treuherzigen Gruße begegnen. Schon ſind es vier Wochen, daß mir weder ein Damenhut, noch Schleier, noch Shawl, noch Modefrack zu Geſicht gekommen, und habe mich ſehr wohl dabei befunden.