Teil eines Werkes 
1. Band, Camelien : Novellen und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
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ſo verheißend über die ſtillen Fluren, daß ich jetzt gläubig und fromm mit den einfachen Landleuten nach dem Gotteshauſe wallte. Die Pforten der Kirche waren mit dem erſten Frühlingsgrün geſchmückt, mit jungen Maien und Birkenzweigen. Die Orgel klang und ich ſang freudig mit zum Preiſe deſſen, der drau⸗ ßen auf Berg und Thal in tauſend und aber tauſend Knospen uns ſeine Liebe verkündet. Wie einfach iſt der proteſtantiſche Cultus, aber gerade in dieſer Ein⸗ fachheit liegt das Erhebende. Wunderbar geſtärkt, mit Gott und Welt verſöhnt, wandelte ich an Joſeph's Seite, auf einem halbſtündigen Umwege, welcher durch ein anmuthiges Thal führt, in deſſen Grunde ein Silberbach rieſelt, nach Hauſe. Hier angekommen, hatten die erſten Pfirſichblüthen ihre goldnen Augen aufgeſchlagen. Marthe brachte zu Mittag ſchön gemalte Oſtereier auf die Tafel.

Den 20. April.

Heut' hab' ich zum erſten Male mit Freund Jo⸗ ſeph gezankt und auch Frau Marthen tüchtig und derb den Text geleſen. Herr von Riſſon hatte nämlich einen Boten mit der beſcheidenen Bitte nach Tanne⸗ berg geſchickt, ob wir ihm nicht für Geld und gute Worte ein Gericht Kohlkeime ablaſſen wollten. Nun hat Joſeph, trotz dem geſchickteſten Gärtner, ein gro⸗ ßes Beet Kohlſtöcke glücklich überwintert, wo täglich ſo viel Keime ſprießen, daß wir ſie gar nicht verbrau⸗ chen können; aber trotzdem dem Boten Riſſon's die Bitte rund abgeſchlagen, unter dem Vorwande, auf Tanneberg würde kein Gärtnerwaarenhandel getrieben. Der eigentliche Grund war, weil man die Riſſon ſche Familie wegen ihrer Zurückgezogenheit, die man für Hochmuth auslegt, nicht leiden kann. Zum Glück