Teil eines Werkes 
1. Band, Camelien : Novellen und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
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ich aber blicke bald in das brennende Abendroth, bald aufwärts nach den rothen Blüthen und rufe: O Apfelbaum, was iſt es wohl mit dir, Wo willſt Du noch mit allen Blüthen hin? Sprich, Apfelbaum, wo ſtehet hin dein Sinn, Willſt du dich denn in dieſen roſ'gen Gluthen Mit einem Male ganz und gar verbluten? Im Blüthenmeere brauſt ein Bienenſchwarm, Der Engelchorgeſang in meiner Bruſt. Es ſteht der Baum und ſinnt mit ſtiller Luſt, Als hätt' er wieder in ſo ſel'gen Stunden Sein Heimathland, das Paradies, gefunden.

Prächtige Verſe! wird dann Joſeph ausrufen; herr⸗ liche Pveſie! Neubert ſprechen, ich aber werde antwor⸗ ten: wohl ſchön und herrlich ſind dieſe Verſe, aber der Mann, der ſie geſungen, iſt noch beſſer, ſein Name iſt Julius Moſen, und er hat noch viele ſchöne Dinge geſungen, die dem Apfelbaumliede nicht nachſtehen.

Den 14. April.

Der Joſeph iſt wirklich ein Tauſendkünſtler, was der für einen ſchönen Salat und herrliche Kohlpflan⸗ zen in den Treibbeeten gezogen hat, iſt wirklich bewun⸗ dernswerth. Auf die Apfelblüthe werde ich immer noch ein Weilchen warten müſſen, ſie ſteckt noch zu tief in den Knospen. Ich habe vergebens nach einem rothen Funken geſpäht. In meiner Laube des Morgens iſt es wunderſchön; zwar noch ſehr licht darin, weil es an ſchat⸗ tenden Blättern fehlt, aber dafür Knospen rings umher. Das muß ein herrlicher Brand werden, wenn ſich das Alles entzündet. Den Frühkaffee trink' ich in der Re⸗ gel auf meinem Zimmer. Die Fenſter ſtehen offen. Die Morgenſonne ſcheint munter herein. In den Blumen vor den Fenſtern ſummen Bienen und Lerchengeſang tönt aus den Lüften. Geſtern iſt auch die Grasmücke