Teil eines Werkes 
1. Band, Camelien : Novellen und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
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angelangt, das fidele Herrchen, der kleine Humvoriſt, welcher alle Geſangweiſen ſeiner gefiederten Collegen nachahmt und perfiflirt. Er hatte ſich auf den alten Nußbaum zu meiner Rechten geſetzt und ſchmetterte mit der kleinen Bruſt dermaßen in den blauen Mor⸗ gen hinein, daß ich ihm ſogleich ein lautes Willkom⸗ men zurief. Nach dem Kaffee ſpiel ich auf dem Piano etwas Don Juan oder Somnambula. Dann wird in der Laube Oken geleſen, dann eine Wanderung durchs Dorf und die nahegelegenen Fluren und Aecker unter⸗ nommen. Die Landleute hierſelbſt ſind ein betriebſa⸗ mes Völkchen. Es iſt eine Luſt, ihren ländlichen Ar⸗ beiten zuzuſehen. Ein braves, unverdorbenes Volk, ohne daß man bäuriſche Rohheit und Dumpfheit wahr⸗ nähme. Mittags ſpeiſ' ich in Geſellſchaft mit Joſeph und Neubert, welcher letztere mein täglicher Gaſt iſt. Frau Martha iſt eine praktiſche Köchin; die Gerichte entbehren einer höhern Kochkunſt, aber ſind nahrhaft und gut. Geſtern hatten wir den erſten Frühling auf dem Tiſche: herrlich grünen Schnittſalat. Wie freu' ich mich auf die Salatſtauden und die Erdbeerkaltſcha⸗ len. Nach Tiſche ein wenig Sieſta in dem gelben Zim⸗ mer mit den grünen Jalvuſien, wo eine ſo wohlthuende Dämmerung herrſcht, denn die Vormittagswanderung und die Frühlingsluft hat mich verzärteltes Stadtkind etwas ermüdet; aber gegen Drei ſteh' ich neugeſtärkt vom Sopha auf. Das erſte Finale aus Don Juan; ich komme aber gewöhnlich nur bis zur Menuette; dann mit Goethe's Gedichten wieder hinaus in den Frühling.

Den 16. April.

Daß eine Schwalbe keinen Sommer macht, hab ich heut' vollkommen begriffen. Das war ja ein ab⸗ ſcheuliches Graupelwetter, das über die Fluren brauſte;