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bei der Inſel Lobau, wo er als ſächſiſcher Grenadier Wachtpoſten geſtanden; wie der Kaiſer Napoleon mit den Marſchällen an ihm vorbeigeritten, angehalten und im gebrochenen Deutſch gefragt hat:„Wie geht's, Ka⸗ merad?“„Bon, Ew. Majeſtät!“ hat Joſeph geant⸗ wortet. Da hat der Kaiſer gelächelt, ihm zugenickt und iſt weiter geritten. Dieſe Anekdote hatte mir Joſeph bereits erzählt, als ich auf ſeinen Knieen ritt, und jetzt nach langen Jahren erzählte er ſie mit der alten Begeiſterung.
Es lag etwas Erhabenes darin, wie jener Funke, welcher die weltgeſchichtlichen Schlachten mit ſchlug, von Neuem aus den Augen des alten Kriegers leuch⸗ tete; ich aber verſetzte mich ganz in jene glücklichen Zeiten, wo mir Joſeph jene Anekdote zuerſt erzählte, und erkundigte mich nach mehreren der damaligen Fa⸗ milien auf den benachbarten Rittergütern.
„Der alte brave Strahlheim auf Steinau,“ erzählte Joſeph,„zu dem ich Sie immer in die Kirſchen führte, iſt längſt geſtorben; das Gut bedeutend herabgekom⸗ men, es ſieht ſich kaum ähnlich, und was es abwirft, verpraßt der liederlich Neffe in der Reſidenz.“
„Und wo iſt denn die ſchöne Marie hingekommen, mit dem langen blonden Haar und den freundlichen Augen,“ fragte ich weiter„bei der ich ſo gut ſtand und die mir das Kirſchenkörbchen immer ſo reichlich füllte?“
„Hat nach Preußen geheirathet,“ ſprach der Alte, „aber nicht glücklich; der Mann iſt ein Spieler, ſoll das arme Weib nicht gut vehandeln. Wer weiß, ob ſie noch lebt. Wir haben ſchon lange keine Nachricht mehr über die Arme.“
„Und wer beſitzt denn jitzt das freundliche Lin⸗ denthal?“
„Hat ſeit Dalberg's mehrmals ſeinen Herrn gewech⸗


