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ſelt, fuhr Joſeph fort;„und iſt vor Kurzem von einem Herrn von Riſſon gekauft und auch ſchon bezogen wordeg.“
„Schon bezogen?“ fragte ich,„und ſo früh im Jahre?“
„Ja, mit dieſen Leuten muß es eine eigene Be⸗ wandtniß haben,“ meinte der Verwalter.„Herr von Riſſon ſoll ein melancholiſcher, menſchenfeindlicher Mann ſein, und große Miſſethaten auf ſeinem Gewiſſen ha⸗ ben. Die ganze Familie beſteht nur aus Vater und Tochter und einem fremdartigen Herrn in mittleren Jahren, von dem man zweifelt, ob er zur Familie gehört. Die Tochter ſoll von ausnebmender Schön⸗ heit, aber dem Teufel verſchrieben ſein, der ſie in Kurzem holen wird.“
„Joſeph,“ ſprach ich in halb rügendem, halb la⸗ chendem Tone,„Ihr wollt ein aufgeklärter Mann ſein, wie könnt Ihr ſolch abgeſchmacktes Zeug ſchwatzen!“
„Ich glaub' auch nicht daran,“ entſchuldigte ſich der Alte,„es läuft nur das Gerücht ſo; indeß ganz richtig iſt die Sache nicht; warun iſt Alles ſo geheim⸗ nißvoll an dieſen Leuten? Warum leben ſie ſo zurück⸗ gezogen und wollen mit Niemqndem etwas zu ſchaf⸗ fen haben?“
Ich ſann hin und her, was die Urſache davon ſein könnte, als mich Joſeph mit den Worten unterbrach:
„Ei, lieber Herr, ſo machen Sie doch als Nachbar eine Viſite auf Lindenthal, da müſſen Sie bald in's Klare kommen.“ 8
„Soll mich der Himnel bewahren,“ war meine Antwort,„mich aus eitler Neugier in Familien ein⸗ zudrängen. Mögen die Leutchen ſich zurückziehen, ich will ſie nicht ſtören. Ich habe mir überhaupt vorge⸗ nommen, während meines hieſigen Aufenthaltes allen umgang mit Städterr möglichſt zu vermeiden. Ich
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