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wieder erholen können und war immer mehr zurück⸗ gekommen, während ein Dritter zum reichen Manne geworden, ohne daß man ſich den Grund ſeiner plötz⸗ lichen Wohlhabenheit zu erklären wußte.
Wir ſprachen dies und das; da ſchien der Alte noch eine Frage auf dem Herzen zu haben.
„Sagen Sie mir einmal, geehrter Herr Reinhold,“ begann er endlich,„iſt denn der Kaiſer Napoleon wirklich todt?“
„Allerdings, Joſeph,“ war meine Antwort;„habt Ihr ſeinen Tod nicht im Landboten geleſen, den Ihr ja haltet?“
„Was da!“ erwiederte etwas eifrig der Vetwalter, „die können viel drucken. Ich glaub's noch nicht.“
„Nein,“ ſprich ich,„der kommt nicht wieder, der liegt wohl verwahrt in ſeinem Felſengrabe zu Sanet Helena.“
Joſeph ſchüttelte wehmüthig, aber zweifelvoll den Kopf.„Der iſt nicht todt,“ ſprach er,„Napoleon fonnte ſobald nicht ſterben.“
Ich mußte lächeln, aber freute mich zugleich über dieſen Glauben an des Kaiſers leiblicher Unſterblich⸗ keit, welchen ich ſo oft bei dem gemeinen Manne an⸗ getroffen habe. Dieſer erhabene Genius war in ſolcher Rieſengröße über die Erde dahin geſchritten, ſeine ge⸗ waltige Erſcheinung hatte ſich ſo urkräftig dem ein— fachen Gemüthe eingeprägt, daß noch zu dieſer Stunde, namentlich in Frankreich, Tauſende leben, welche an des Kaiſers Tod nicht glauben; unſtreitig eine der ſchönſten Apotheoſen des großen Mannes.
Ich mag Niemandem ſeinen Glauben nehmen, in
welchem er ſich glücklich fühlt, und darum widerſprach.
ich auch dem alten Joſeph nicht weiter. Dieſer er⸗ zählte nun mit der alten Begeiſterung von der Bricke


