Teil eines Werkes 
1. Band, Camelien : Novellen und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
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meiner Fahrt nicht länger langweilen und kurz berich⸗ ten, daß ich am dritten Tage mein freundliches Güt⸗ chen Tanneberg wohlbehalten erreichte. Wer beſchreibt die Freude meines alten wackern Verwalters und ſei⸗ ner Ehehälfte, welche beiderſeits mich ſo früh im Jahre nicht erwartet hatten. Meine Beſorgniß, ſie in Ver⸗ legenheit zu ſetzen durch meine unangemeldete Ankunft, indem ſie darauf nicht vorbereitet waren, war unge⸗ gründet. Mein Lieblingszimmer, die blaue Eckſtube mit der herrlichen Ausſicht, fand ich im wohnlichſten Zuſtande, obſchon ſeit Jahren Niemand daſelbſt einge⸗ kehrt war.

Mit heiteren Blicken ſchaute ich durch das Fenſter über die Gegend. Der ganze Himmel lag vor mir. Zwar ſpähte ich vergebens nach Grünem; die Vegetation war in dieſer gebirgigen Gegend noch acht Tage hinter der der Ebene, die ich ehegeſtern verlaſſen, zurück. Nur die blaue Hepatika, dieſe erſte Frühlingsbotin, blühte ein⸗ ſam in dem wohlbeſtellten Gärtchen unter meinem Fenſter.

Der Nachmittagkaffee, welchen Frau Marthe vor⸗ trefflich zu brauen verſtand, wie ich mich aus meinem Knabenalter noch wohl entſann, dampfte lieblich auf dem braunen reinlichen Tiſche. Die Kaffeetaſſen be⸗ ſtanden noch aus jenem altväteriſchen blaugezeichneten meißner Porzellan, das immer ſeltener wird. Nichts⸗ deſtoweniger ſchmeckte mir dieſer Kaffee tauſend Mal beſſer als der im Lindwurm. Ich ſtopfte mir eine Pfeife und gebot meinem alten Freunde Joſeph, dem Verwalter, ein Gleiches zu thun.

Wir ſchritten plaudernd im Zimmer auf und ab. Der Alte hatte mir viel zu erzählen. Da war die⸗ ſer und jener Nachbar nach jenem Lande gegangen, von wo man nicht wieder zurückkehrt; ein Anderer hatte ſich ſeit dem Kriege in ſeiner Wirthſchaft nicht